die kinderfrage: Wozu gibt es eigentlich den Stimmbruch?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Terje, 11 Jahre alt.
Ein Oktobermorgen im Wald. Nebel hängt zwischen den Bäumen. Es ist ganz still. Nur ein paar Vögel zwitschern und der Wind rauscht durch die Wipfel, er fegt ein paar bunte Blätter fort. Doch dann: „Rrröööhhhrrr!“ Ein grunzendes Brüllen scheppert durch den Wald, so tief und laut wie ein protziger Sportwagen.
Das war ein Hirsch! Wenn der röhrt, rutscht sein Kehlkopf den langen Hals hinunter. Dadurch erzeugt er einen lauten, tiefen Ton. Das soll Eindruck bei den Hirschkühen schinden. Denn die suchen sich bevorzugt Partner aus, die möglichst groß und kräftig erscheinen.
Und was hat das jetzt mit dem Stimmbruch zu tun?
Also – wenn Jungen in die Pubertät kommen, schickt der Körper einen besonderen Botenstoff los: das Testosteron. Das lässt unter anderem Muskeln und die Körperbehaarung wachsen. Auch der Kehlkopf im Hals wird größer. Die Stimmlippen darin werden länger und dicker. Dadurch sinkt die Stimme um etwa eine Oktave, oft in weniger als einem Jahr. Dieser Wechsel von höherer Stimme zu tieferer Stimme heißt Stimmbruch. Dabei bricht eigentlich nichts. Es verschiebt sich eher.
Die Länge der Stimmlippen entscheidet über den Ton. Bei Kindern flattern die Stimmlippen noch mehr als 200 Mal pro Sekunde aneinander. Das erzeugt hellere Töne. Die längeren Stimmlippen von jungen Männern schwingen nur noch halb so oft. Dadurch klingt ihre Stimme viel tiefer. Und zwischendurch? In der Pubertät ändern sich in kurzer Zeit Länge, Dicke und Gewebe. Das ist ein bisschen so, als würde man ein Musikinstrument grundlegend umbauen – oder die Saiten auswechseln –, während man weiter darauf spielt. Kein Wunder, dass da mal schiefe Töne herauskommen.
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Wozu das Ganze? Soll die tiefe Stimme Mädchen beeindrucken, weil die glauben, man sei besonders groß und kräftig, so wie bei den Hirschen? Bei unseren Urururahnen vor ein paar Hunderttausend Jahren war das wohl wirklich so. Forschende haben die Stimmen von Menschen mit mehreren Affenarten verglichen. Das Ergebnis: Je heftiger Affenmännchen um Weibchen wetteifern, desto tiefer klingen sie.
Doch verrät eine tiefe Stimme überhaupt, wie groß jemand ist oder wird? Nö. Bei erwachsenen Männern gibt die Tonhöhe so gut wie keine Hinweise auf die Körpergröße. Kleinere Männer können eine tiefere, und größere Männer können eine höhere Stimme haben. Durch den Stimmbruch aber mussten sie fast alle. Philipp Brandstädter
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