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Luisa Schillig hilft, die eigene Stimme politisch einzusetzen, ohne dass sie dabei überlastet wird

Üben schützt: drei Frauen beim Stimmtraining Foto: Horst Rudel/imago

Interview Alina Götz

taz: Was hat die Stimme mit politischem Aktivismus zu tun?

Luisa Schillig: Die Stimme ist ein Instrument der Beteiligung. Durch öffentliches Sprechen und Diskutieren leben wir Demokratie. Meinungsbildung wird überhaupt erst möglich, wenn Positionen hörbar sind. Nicht ohne Grund werden im Bundestag Reden gehalten. Auch auf Demos gibt es laute Stimmen. Aktivismus auf der Straße ist ein wichtiger Bestandteil von Demokratie.

taz: Wie sind Sie darauf gekommen, sich auf Aktivismus zu spezialisieren?

Schillig: Ein großer Teil meiner Ausbildung zur staatlich geprüften Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin war das Erleben der eigenen Stimme. Auch als Ausdruck von Persönlichkeit und Meinungen. Für mich war die Stimme schon immer ein wichtiges Instrument, um mich auszudrücken und politisch aktiv zu werden. Das eigene Interesse und die Ausbildung haben mich zur Expertin auf dem Gebiet gemacht. Ich erlebe nun, dass viele politisch Aktive gar nicht wissen, wie sie ihre Stimme effektiv einsetzen können, ohne danach belastet zu sein, und möchte das gerne ändern.

taz: Wie geht das denn?

Schillig: Es ist wichtig, ohne viel Druck zu sprechen. Gerade wenn große Emotionen oder Meinungsverschiedenheiten im Spiel sind, sprechen wir häufig mit Druck. Dann ist Spannung im Halsbereich, die, wenn sie länger anhält oder oft passiert, dazu führen kann, dass die Stimme heiser wird. Zu schnell sprechen kann auch belasten – oder gegen andere laute Geräusche anreden zu müssen. Auch das veranlasst den Organismus, mit viel Druck zu arbeiten oder höher zu sprechen, als man es eigentlich tut. Bei Stress oder Aufregung passiert all das leicht: dass man höher, lauter, schneller oder druckvoller spricht, als es gut ist.

taz: Gilt das für alle Geschlechter gleichermaßen?

Schillig: Stimmen sind unabhängig vom Gender individuell zu betrachten. Allerdings sind Frauenstimmen tendenziell höher und damit nicht ganz so tragfähig wie viele männliche Stimmen. Zudem existieren gesellschaftlich auch nach wie vor Rollen, die dafür sorgen, dass weiblich gelesene Personen eher zurückhaltender und nicht so aktiv sprechen. Aber wenn wir die Stimme erheben, brauchen wir auch eine Unterstützung vom Rest des Körpers!

Workshop „Luft bewegt die Stimme und Stimmen bewegen die (Um-)Welt!“. 30.5., 15-19 Uhr, KlimaWerk-Stadt, Westerstraße 58, Bremen, Anmeldung anmeldung@klimawerkstadt-bremen.de, 38-58 Euro Eintritt

taz: Was passiert denn, wenn ich anders rede, als es eigentlich gut ist?

Schillig: Im schlimmsten Fall kann eine Überbelastung der Stimme zu Knötchen auf den Stimmlippen führen. Das sind Verdickungen, die zu einem Druckgefühl im Hals führen können, zu einem heiseren Stimmklang oder zu einer weniger leistungsfähigen Stimme. Umwelt- und Klimakrise können sich im Übrigen auch auf die Gesundheit und die Stimme auswirken. Durch Luftverschmutzung, Allergene und Hitze können Entzündungsreaktionen und Ödeme auf Stimmlippenebene entstehen.

taz: Wie arbeiten Sie im Workshop?

Foto: Flutlicht-Fotografie Miriam Meier

Luisa Schillig, 29, ist trauma- und umweltsensible Atem-, Sprech- und Stimmcoachin.

Schillig: Jede Stimme ist willkommen. Ich teile mein Stimmwissen und eröffne einen Raum zum Erleben und Erheben der eigenen Stimme. Der Workshop ist präventiv für Menschen, die noch keine großen Probleme mit der Stimme haben und sie einfach besser kennen- und regenerieren lernen wollen. Wir schauen, was die Stimme unterstützen kann, was vielleicht noch unentdeckt ist. Das ist immer sehr individuell. Wir lernen, die Atmung und den Körper einzusetzen, um die Stimme zu unterstützen. Und wir schauen: Wie ist überhaupt meine mittlere Sprechstimmlage, mit der ich normalerweise spreche – und wie kann ich lauter werden, ohne meiner Stimme zu schaden.

taz: Was können Sie Menschen für zu Hause mitgeben?

Schillig: Gähnen ist super. Aus vollster Seele, ohne den Ton zu unterdrücken. Und dann schauen, was die Stimme mit sich bringt! Das ist ein richtiger Entspannungsmoment im Alltag. Man kann sich auch beim Sprechen selbst zuhören und beobachten, wie sich die Stimme verändert. Etwa durch hormonelle Veränderungen, durch Umwelteinflüsse wie Pollen und Hitze oder Stress. Wenn ich angespannt bin, kann ich schauen, wie ich Anspannungen loswerde, die sich auch auf meine Stimme auswirken. Strecken und Recken ist auch immer gut für die Stimmgesundheit.Alina Götz

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