das wird: „Wichtig, die Herzen zu erreichen“
In Osnabrück soll bessere Kommunikation den Klimaschutz voranbringen
Interview Karima Küster
taz: Frau Rademacher, warum ist Kommunikation so wichtig, wenn es um Klimaschutz geht?
Birgit Rademacher: Im Grunde genommen ist Kommunikation überall wichtig. Speziell bezogen auf das Ziel der Stadt Osnabrück, bis spätestens 2040 klimaneutral zu werden, ist es extrem wichtig, dass wir viele Menschen erreichen. Klimaschutz wird Veränderungen hervorrufen, und gemeinsames Handeln ist notwendig. Kommunikation ist der Schlüssel für gemeinsame Abstimmung und Konsensbildung. Sie ist die Basis für gute Zusammenarbeit und Vertrauen.
taz: Wie tragen die Klimabotschafter und -botschafterinnen dazu bei, die Klimaziele zu erreichen?
Birgit Rademacher
Biologin, ist seit 2012 „Masterplanmanagerin 100 % Klimaschutz“ bei der Stadt Osnabrück.
Rademacher: Auf eine einfache Formel gebracht: Es sind Menschen, die Gesicht zum Klimaschutz zeigen. Viele haben eigene Projekte und zeigen damit, was möglich ist. Einige haben sich sogar selbstständig gemacht. Die Klimabotschafter fungieren als Multiplikatoren und bringen dem Thema dadurch Aufmerksamkeit. Sie tragen es in ihr eigenes Umfeld, sei es beruflich oder privat. Dadurch gibt es einen großen Vervielfältigungseffekt.
taz: Die Klimabotschafter-Initiative konzentriert sich stark auf eine klimafreundliche Alltagsgestaltung. Auf Ihrer Website schreiben Sie: „Jeder muss einen Beitrag im Alltag leisten.“ Droht da nicht, dass größere politische und wirtschaftliche Strukturen zu wenig berücksichtigt werden?
Rademacher: Nein, das denke ich nicht. Beim Thema Klimaschutz müssen wir beide Ebenen betrachten. Es ist extrem wichtig, systemisch heranzugehen und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Auch auf Bundes-, Landes- und globaler Ebene darf noch einiges gemacht werden. Gleichzeitig ist es wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was im Kleinen getan werden kann. Außerdem sind die Initiative und das Engagement von unten auch für die Politik wichtig, um zu zeigen, dass Klimaschutz gewollt ist. Damit werden Akzeptanz und Aufmerksamkeit geschaffen.
Workshop „Gute Klimakommunikation – wie geht das?“: Sa, 10.8., 14 Uhr, Volkshochschule Osnabrück, Bergstraße 8; eine kurzfristige Teilnahme ist leider nicht möglich
Infos zum Osnabrücker Klimaschutz-Masterplan: https://t1p.de/p53q1
taz: Wie sieht gute Klimakommunikation konkret aus?
Rademacher: Natürlich ist zunächst ein fundiertes Wissen wichtig, damit es nicht zu Falschinformationen kommt. Dann ist es aber auch entscheidend, die Herzen zu erreichen und Vertrauen zu schaffen. Man muss dem anderen wirklich zuhören und dessen Bedenken aufgreifen. Die Kommunikation muss von Respekt und Wertschätzung getragen sein. Inhaltlich geht es bei Klimaschutz natürlich auch darum, die Dringlichkeit darzustellen – aber auch Hoffnung zu machen und Handlungsmöglichkeiten zu zeigen. Dabei hilft es sehr, den Fokus drauf zu legen, was es vor Ort gibt und wirklich im Leben der Menschen anzusetzen.
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