das portrait: Dinizia excelsa – Höchster Baum im Amazonaswald entdeckt
Die Reise zum höchsten Baum des Waldes dauert zehn Tage und führt 220 Kilometer weg von der Zivilisation über reißende Flüsse in ein schier undurchdringliches Gebiet im Dschungel Brasiliens. An der Grenze zwischen den Bundesstaaten Amapá und Pará hat ein 30-köpfiges Team aus brasilianischen, finnischen und britischen Forscher:innen zusammen mit einigen Einheimischen ihr Ziel erreicht: Die Dinizia excelsa ist stolze 88 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 5,5 Metern und ist damit in etwa so hoch, wie ein 24-stöckiges Mietshaus. Normalerweise erreichen Exemplare dieser Spezies, die zur Familie der Hülsenfrüchte gehört, 60 Meter. Der bislang höchste registrierte Baum war lediglich 70 Meter hoch.
Umso aufgeregter verkündeten die Expeditionsteilnehmer:innen ihren Fund. „Das ist eine großartige Entdeckung und damit eine Verpflichtung, die Amazonasriesen zu bewahren“, sagt Eric Bastos Gorgens, Professor an der Universidade Federal dos Vales do Jequitinhonha e Mucuri. Er koordinierte die Expedition.
Mithilfe eines luftgestützten Fernbedienungssensors, einer Art Laserradar, waren die Forscher:innen auf die ungewöhnlichen Maße des Baumes aufmerksam geworden. Am 13. August, inmitten der verheerenden Brände in großen Teilen des Amazonasgebiets, waren sie in die Region aufgebrochen, die sie als „heiligen Zufluchtsort“ einer Gruppe von ungewöhnlich großen Diniziae excelsae bezeichnen. „Wir haben gemeinsam eine Waldinventur gemacht und die Entnahme von Boden- und Vegetationsproben durchgeführt. Damit wollen wir analysieren, ob es eine Beziehung zwischen den Baumgiganten und ihrer Umgebung gibt“, sagt ein anderer Teilnehmer der Forschungsreise. Es sei nicht auszuschließen, dass man in der Gegend noch weitere riesenhafte Dinizien finde.
Auf den Webseiten von Tropenholzhändlern liest man, wie gut sich die Art für robuste Außenverkleidungen, beispielsweise an Hafenanlagen oder für den Gerüstbau eignet. Anders als ihre kürzlich erst entdeckte Baumschwester, die Dinizia jueirana-facao, gilt die Excelsa nach Aussage ihrer Finder:innen nicht als akut bedroht. Dennoch dient der Fund einem kaum zu verhehlenden Ziel: Die mediale Aufmerksamkeit weiterhin auf die katastrophale Lage im Regenwald zu lenken.
Noch immer steht das 5,5 Millionen Quadratkilometer große Gebiet des Regenwaldes teilweise in Flammen. Rund 88.000 Brände wüten derzeit in vielen Teilen des Amazonasbeckens. Die Rekord-Dinizia und ihre Gruppe sind derzeit nicht davon betroffen. Doch bei der anhaltenden Dürre und der zunehmenden Abholzung durch Holzfäller, Minenarbeiter und Großgrundbesitzer zeigen sich die Forscher:innen dennoch besorgt. Schließlich ist das Holz der Dinizia excelsa äußerst begehrt wegen seiner Härte und Rissfestigkeit.
Der höchste Baum weltweit steht übrigens rund 8.000 Kilometer weiter nördlich: ein fast 116 Meter hoher Redwood im Sequioa-Nationalpark in den USA. Sunny Riedel
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen