das portrait: Dankbar für den Wendepunkt: Hannah Gablac
Als die deutsche Hockey-Nationalspielerin Hannah Gablac vom Hamburger Club an der Alster am Sonntagabend an sich herunterschaute, funkelte es vor ihrem Bauch. Am unteren Ende eines um ihren Hals baumelnden Bandes hing eine glänzende Silbermedaille, die sie nach dem Endspiel der Europameisterschaft im belgischen Antwerpen überreicht bekommen hatte. Das Team des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) hat das letzte Spiel der kontinentalen Meisterschaft gegen Titelverteidiger Niederlande mit 0:1 verloren.
Für die 24 Jahre alte Angreiferin, die beim hart erkämpften 3:2 im Halbfinale gegen Spanien zwischenzeitlichen den 2:2-Ausgleich erzielt hatte, war dies ein ganz guter Trost für die Enttäuschung, die sie vor drei Jahren erlebt hat. Im Sommer 2016 wurde sie vom damaligen Nationaltrainer Jamilon Mülders, der eigentlich ein Förderer von ihr war, nicht für den Olympia-Kader nominiert. Sie verfolgte im Fernsehen, wie ihre Teamkolleginnen bei den Spielen in Rio de Janeiro Bronze gewannen.
Aus der Ausbootung zog Gablac Konsequenzen. Das sei für sie ein Wendepunkt gewesen, sagte die Medizinstudentin, die im Herbst ihr Examen schreiben und anschließend ihr praktisches Jahr in der Chirurgie des Marienkrankenhauses und des Universitätsklinikums Eppendorf beginnen möchte. Sie habe es damals in ihrem Freiheitsdrang übertrieben, sich manchmal nicht gut benommen und so dem Team eher geschadet als geholfen.
Es sei ein langer Prozess gewesen, das in den Griff zu bekommen. Der Vereinswechsel im Sommer 2018 von Rot-Weiss Köln nach Hamburg sei dabei ein wichtiger Baustein gewesen. Mit 15 Toren trug sie dazu bei, dass der Club an der Alster Mitte Mai die Feldmeisterschaft feiern durfte. Nun noch der EM-Titel. Und im kommenden Jahr, das ist Gablac’fester Vorsatz, will sie dann bei Olympia 2020 in Tokio Tore und Siege bejubeln dürfen. Christian Görtzen
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