piwik no script img

berliner szenenIrgendwo stecken’se ja doch

V und ich sind in Schöneberg bei einem Italiener. Es regnet, aber wir sitzen unter der ausgezogenen Pergola, essen Pizza und reden über das, was so passiert ist.

Als V. kurz auf die Toilette geht, höre ich einer Familie am Nebentisch zu. Ich glaub, es sind die Eltern eines Typen und heute lernen sie seinen neuen Partner kennen. Die beiden sind sehr verliebt, das kann man sehen. Süß, wie sie sich anstrahlen und versuchen, vor den Eltern die Finger voneinander zu lassen. Da sagt der Vater zum neuen Freund: „Also du wohnst in München? Is das nich sauteuer? „Der Freund schüttelt den Kopf: „Es ist nur meine Opernwohnung in der Stadt.“ „Sehr klein, nur anderthalb Zimmer“, sagt der Sohn schnell mit einem Seitenblick zu seinem Vater. „Eigentlich sind es zwei Zimmer“, korrigiert der Freund. „Opanwohnung?“, fragt der Vater. „Kennst du das nicht?“, fragt der Freund. „Eine Wohnung in der Stadt, wenn man mal in die Oper oder ins Theater geht. Sonst wohne ich weiter draußen.“ Der Vater lacht auf und sagt: „Nee, wir sind hier in Berlin. Da jibt’s keene Opernwohnungen. Hier jibt’s gar keene Wohnungen mehr.“ „Nu, lass doch, Gerd,“ sagt die Mutter nervös. Der Sohn kommt zur Hilfe: „In München gibt’s auch keine Wohnungen mehr.“ Da lacht der Vater wieder auf, diesmal bitter: „Na klaro, warum wohl nich? Weil’se alle Opanwohnungen haben, die leer stehen. Irgendwo stecken’se ja die janzen Wohnungen.“ Er schnaubt. „So wat hätten wir früher direkt besetzt.“

Betretenes Schweigen am Tisch. Die Mutter irgendwann mit betont munterer Stimme: „Wie war’s denn eigentlich da auf dieser Insel in Griechenland? Wart ihr da nicht gerade erst eine Woche?“ Ich beiße in meine Pizza und vermute, dass der neue Freund jetzt vielleicht nicht mehr den leichtesten Stand beim Vater hat.

Isobel Markus

Nur noch 430 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 430 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen