berliner szenen: Passiertirgendwienichts
Wir sitzen in Kreuzberg draußen und essen lauter Vorspeisen. Bei der Hitze gehen nur Sommerrollen, Edamame und Mangosalat. Manchmal geht auch etwas Wind, sodass sich die Servietten bauschen und wir unsere Köpfe in den Zug recken. Eine Frau setzt sich an den Tisch hinter W. und lüftet ihre Arme. Sie sind mit vielen kleinen Sommersprossen übersät, die sich bis zum Hals ziehen, unter die sehr gerade geschnittene Frisur und in den Hut mit Leopardenmuster übergehen. Am Tisch daneben trinkt einer Weizen.
W. pult Edamameschoten auf und zieht mit den Zähnen die Bohnen heraus. Sie ist ungewöhnlich schweigsam. „Alles gut bei dir?“, frage ich. Sie zuckt die Schultern. „Bei mir passiert irgendwie nichts. Wohl zu heiß. Und bei dir?“
„Hm“, mache ich. „Geht. Ich hab jetzt einen Verlobten.“
W. lacht. „Ja, genau!“
„Doch, er war bei meiner Lesung in Weißensee, heißt Markus mit k und ich habe ihn gefragt, ob er mich heiraten will und meinen Nachnamen annimmt. Markus Markus. Fanden wir beide gut. Ein Name, der sich einprägt. Guten Tag, mein Name ist Markus Markus. Das vergisst doch keiner.“
W. rollt die Augen: „Ich möchte mal einen Tag in deinem Leben verbringen. Danach muss ich wahrscheinlich in die Reha, aber es passiert wenigstens was.“
Hinter W. stellt ein Mann mit rotem Gesicht seine Bierflasche auf den Tisch der Frau und sagt: „Na? Heiß heute, wa? Kann ich mir deinen Hut mal ausleihen?“ Ich höre nicht, was die Frau sagt, aber da nimmt der Mann sein Bier vom Tisch, zieht der Frau den Hut vom Kopf und rennt weg. Der Typ mit dem Weizen springt auf, aber die Frau hält ihn zurück: „Lass. Ist zu heiß zum Hinterherrennen.“
Ich sehe W. an, aber W. hat irgendwie nichts mitbekommen.
Isobel Markus
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