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berliner szenenBrause für die Horn­veilchen

Mit den ersten Sonnenstrahlen will ich mit zehn Hornveilchen die Erste sein. Das grüne Idyll, das Ortsunkundige mit Gartenhaus verbinden, wird bei uns ernst genommen. Vor 13 Jahren von New York City kommend, hatte ich noch Schonfrist. Dort hatte ich Häuserfassaden mit fünf gläsernen Balkonen je Etage über 30 Stockwerke im Blick, auf denen höchstens mal Hauspersonal rauchte. Nach zwei Jahren Berlin aber begann das Weichklopfen. „Du sitzt nie auf deinem Balkon. Wenn du Pflanzen hättest, wäre das anders.“ „Ich habe ausrangierte Blumenkästen. Soll ich dir die mal vor die Tür stellen?“ Ich nahm das Angebot an, besorgte Pflanzen und Erde. Nach wie vor gieße ich entweder gar nicht oder zu viel, bis der Typ unter mir sich meldet: „Es tropft. Du wässerst gerade mein Handy.“

Jetzt versenke ich die zarten Pflänzchen fast komplett in den Blumenkästen und lausche, wie sie Wasser ziehen, als ließen sie gerade Ahoi-Brause blubbern. Zufrieden schaue ich über die Balustrade. Schräg unter mir pflanzt Bernd. „Ich bin schon fertig“, dabei halte ich stolz einen der Kästen für ihn zur Ansicht. „Ja, aber ich habe Stiefmütterchen genommen.“ Okay, was die Größe angeht, hast du die Nase immer noch vorn, aber meine singen beim Trinken, und dass du es nur weißt, die Geranien, die bei dir den Stiefmütterchen folgen, machen mich immer nervös. Mich faszinieren verschiedene Formen ausgedörrten Gestrüpps. Zudem fallen mir die fünf Packungen Saatstreuwiese ein, die ich im letzten Frühjahr verbuddelt hatte, was insbesondere Krähen interessierte, woraufhin sich im Juli nur fünf Kornblumen und ein roter Mohn zeigten, mit viel schwarzer Erde dazwischen. Am liebsten pflanze ich mich in lauer Sommernacht auf den Balkon und dabei ist mir schnurz, was da außer mir sonst noch so blüht.

Silke Mohr

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