berliner szenen: Welt der BVG-U-Bahnen
Die U2 fährt nicht in der gewohnten Taktung. Erst verschiebt sich die Abfahrt um 10 Minuten, dann wird die nächste U-Bahn mit einem Mal gar nicht mehr angezeigt. Als sie letztlich mit 20-minütiger Verspätung doch eintrifft, unterrichtet ein Mann alle im Waggon über die Probleme der BVG: „Bei den Kleinprofil-Linien sind nur 360 von 480 Bahnen einsatzbereit. Um die Taktung zu halten, wären 390 erforderlich“, referiert er. Eine Weile scheint es, als höre ihm niemand zu außer einem etwa fünfjährigen Jungen. Der starrt den Mann mit offenem Mund an. Als der Mann dazu übergeht, die Mechanik der Züge zu erklären, streckt der Fahrer mit einem Mal interessiert seinen Kopf aus der Kabine und mustert ihn. Die U-Bahn fährt los, der Mann redet weiter, erzählt, wo in der Stadt gerade Streckenumleitungen seien und wie viele Minuten die U-Bahn noch bis zum Potsdamer Platz brauche.
Der Junge fragt neugierig: „Bist du U-Bahn-Fahrer?“ Der Mann lacht: „So wie du auch.“ Der Junge schüttelt den Kopf und erklärt ernst: „Ich meine, arbeitest du für die U-Bahn?“ Der Mann guckt ernst: „Das würde ich gerne.“ Der Junge fragt weiter: „Warum machst du es dann nicht?“ Die Mutter zieht ihn am Ärmel. Ihr Blick sagt: Nicht mit fremden Männern reden. Der Mann bemerkt den Blick, sieht die Mutter an und meint mehr zu ihr: „Mich lassen sie nur in einer Behindertenwerkstatt arbeiten – für 'nen Appel und 'n Ei.“ Die Mutter nickt abweisend. Der Junge sieht sich durch ihre Reaktion ermutigt, weiter zu fragen: „Woher weißt du so viel über U-Bahnen?“ Der Mann lächelt: „Aus der Zeitung. Und ich spiele ‚World of Subways‘ – da fahre ich die 31,8 Kilometer und 40 Stationen der U7 rauf und runter. Das bildet. Oder wusstest du, dass die U7 durch fünf Bezirke fährt und sowohl die Spree als auch die Havel unterquert?“
Eva-Lena Lörzer
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