bauskandal: Landowsky, Groth und Co.
Es wird schon seinen Grund haben, dass Peter Strieder die Entscheidung der Vergabekammer nicht anficht und stattdessen sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen droht. Anders als bei den vielen Bauskandalen, die in Berlin üblich sind, handelt es sich bei den Unregelmäßigkeiten um den Neubau der TU-Bibliothek nicht um Vermutungen, sondern um Feststellungen. Aufgehobene Vergabeverfahren sind schließlich nicht einmal in der Hauptstadt von Filz und Korruption alltäglich.
Kommentar von UWE RADA
So sehr die Entscheidung der Vergabekammer zu begrüßen ist, so sehr verweist sie auf ein Dilemma. Filz ist offenbar noch nicht einmal durch die Anwendung neuer Richtlinien auszuschließen. Dass nicht der Senat, sondern ein zuvor selbst ausgesuchtes Ingenieurbüro den Auftrag an Groth erteilt hat, ist im Ergebnis ohne Belang, wenn Mitkonkurrenten, mit welchen Methoden auch immer, ausgebootet werden.
Gleichwohl gibt es im Fall Groth einen Unterschied zum Fall Landowsky: Während eine Kreditvergabe in der Regel nicht transparent ist, gibt es beim Zuschlag für Bauaufträge immerhin einige Kontrollinstanzen, von denen die Vergabekammer eine ist, die Innenrevision der Bauverwaltung eine andere. Doch auch die öffentliche Kontrolle ist nur so gut, solange es engagierte Kontrolleure und eine interessierte Öffentlichkeit gibt. Es ist daher dringend geboten, neben dem Fall Landowsky/Aubis auch den Fall Groth in die Ermittlungen des Berliner Untersuchungsausschusses aufzunehmen.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen