Zwischennutzung Bundeswehrhochhaus

Hub im Hochhaus

Bis zum Umbau des Bundeswehrhochhauses am Bremer Findorff-Tunnel in ein Wohnhaus soll dort ein „Creative Hub“ entstehen.

Das Bundeswehrhochhaus in Bremen-Findorff.

60 Meter hoch: Das Bundeswehrhochhaus in Findorff Foto: Rami Tarawneh/Wikipedia

BREMEN taz | Gegen den Verfall des betonmodern trostlosen Bundeswehrhochauses, Jahrgang 1968, auf der umtosten Verkehrsinsel an der Falkenstraße plant die Gewoba eine Wiederbelebung. Im März hat sie die 60 Meter gen Himmel strebende Immobilie erworben und will darin bis 2024 der wachsenden Hansestadtbevölkerung 180 Wohnungen spendieren, darunter 112 öffentlich geförderte Ein- bis Zwei-Zimmer-Apartments. Fürs Erdgeschoss sind Gewerbe- und Einzelhandelsflächen vorgesehen.

Bis 2007 waren die 6.700 Quadratmeter des Kolosses vor allem als Kreiswehrersatzamt, später vom Hauptzollamt und für „Tatort“-Dreharbeiten genutzt worden. Sechs Etagen richtete 2015 der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als Übergangswohnheim für Geflüchtete her. Seit November 2018 aber modert der gesamte Komplex ungenutzt vor sich hin.

Umbaustart wird allerdings – dank Bürokratie und Architekturwettbewerb – erst in zwei Jahren sein. Damit bis dahin alle Hausgeister vertrieben sind, gibt es diverse Ideen. Einige liegen der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) vor, die ja im Auftrag der Stadt befristete Nutzung von Leerständen ermöglichen soll. Und dabei weniger auf die von der Handelskammer zur Marktreife gehätschelte Gründerszene, sondern stärker auf Kultur- und Integrationsprojekte setzt, die Arbeiten und Wohnen verbinden.

„Aber zum Zuge kommen wir im Bundeswehrhochhaus nicht“, so bedauert Daniel Schnier von der ZZZ das seiner Ansicht nach „intransparente Verfahren“ der Zwischennutzungsvergabe. Mit Marc Fucke und Hachem Gharbi erhielten zwei Privatleute ohne Ausschreibung den Zuschlag. Beide wollen dort nebenberuflich den „ersten Creative Hub Bremens“ aus der Taufe heben – als „Visionskultur“. 15 bis 25 soziale Projekte und eher kommerzielle Start-up-Konzepte von angehenden Hochschulabsolventen sollen vernetzt arbeiten und sich unterstützen.

Schnier bedauert das seiner Ansicht nach „intransparente Verfahren“

Weil die Gewoba dafür 400 Quadratmeter des Hauses kostenlos zur Verfügung stelle, ließen sich Büros, Konferenz- und Seminarräume miet- und nebenkostenfrei nutzen, zudem gäbe es Workshops, erklärt Fucke. Er arbeitet bei der Stiftung Aktion Hilfe für Kinder und für die Hood-Trainingsstationen in den Bereichen Ressourcen- und Entwicklungsmanagement.

Um den innenarchitektonischen Mix aus Bürocharme der 1960er Jahre und spartanischem Kasernenambiente der Flüchtlingszimmer zu entsorgen, seien kaum Zeit und bisher auch keine Gelder da, bedauert Fucke. „Für EU- und Bundesfördermittel sind wir einfach zu spät dran, setzen daher auf Bremer Gelder“, sagt Fucke, der auch Vorstandsvorsitzender des SPD-Ortsvereins Peterswerder/Steintor ist.

Sportlich ist sein Zeitplan. Bereits im Oktober sollen im Erdgeschoss Kaffee und Kuchen ausgeben werden und die ersten Räumlichkeiten „für Brains mit Ideen“ bereitstehen. 2021, so Fucke, würden diese dann in die Selbstständigkeit entlassen, dürfen sich im freien Spiel der Marktkräfte behaupten.

Erst vor vier Monaten sei er von der Gewoba angesprochen worden, ob er nicht etwas Soziales als Zwischennutzung organisieren könne, erzählt Fucke. „Die Grundsätze des Hub-Konzepts hatte Hachem Gharbi aber schon länger in der Schublade.“ Schnell fürs Bundeswehrhochhaus hochgejazzt und schon genehmigt. „Jetzt laufen bereits Bewerbungen ein“, sagt Fucke. Im August würden Zu- und Absagen erteilt. Namen nennt er nicht. Partner sollen Bremens Universität und Hochschulen sein, konkret sei aber noch nichts. Ebenso wenig, ob sich HfK-Student*innen um künstlerische Interventionen auf dem Grundstück und in den Räumen kümmern. „Aber unsere Website geht bald an den Start“, so Fucke.

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