: Zwischen Kubismus und Kontruktivismus
Das Belvedere Museum Wien zeigt Kunst der Malerin, Grafikerin und Pädagogin Erika Giovanna Klien
„If you can make it there, you’ll make it anywhere“, sang Frank Sinatra 1979 und verhalf dem Titelsong aus Martin Scorseses Film „New York, New York“ zum Welthit. Die dahinterstehende uramerikanische Philosophie tatsächlich in die Tat umzusetzen, ist gar nicht so leicht. Das musste auch die österreichisch-US-amerikanische Künstlerin Erika Giovanna Klien leidlich erfahren. Einsam, arm und nahezu gänzlich vergessen stirbt sie in der Weltstadt an der Ostküste im Juli 1957 an einem Herzinfarkt.
Eigentlich gilt das Werk der Malerin, Grafikerin und Kunstpädagogin, das ab den 1970er-Jahren durch den europäischen Kunsthandel eine Renaissance erfuhr, bis heute als Geheimtipp. Dabei erlangte Klien, die manche zu den bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts zählen, als Leitfigur des Wiener Kinetismus früh internationalen Ruhm.
Weil der Vater sich vehement gegen Kliens Bestreben stemmt, Schauspielerin zu werden, schreibt sich die 1900 im damaligen Kaiserreich Österreich-Ungarn geborene Tochter eines Eisenbahnbeamten und einer Kindergärtnerin an der Wiener Kunstgewerbeschule ein.
Brutstätte des Wiener Kinetismus
Von 1919 bis 1925 studiert Klien dort bei namhaften Lehrern wie dem Architekten Josef Frank, dem Typografen Rudolf Larisch und Grafiker Victor Schufinsky. Der mit Abstand wichtigste Mentor für Klien wird aber der enigmatische, auf sie anziehend wirkende Reformpädagoge Franz Čižek. In seinem Ornamentkurs, der Brutstätte des Wiener Kinetismus, führt er die Studentenschaft in den neuen Kunststil ein – changierend zwischen dem französischen Kubismus, dem italienischen Futurismus und dem russischen Konstruktivismus.
21-jährig avanciert Klien zum Star in Čižeks Klasse. Wie niemand sonst gelingt ihr, dessen dialektische Methode in einer konstruktiven Synthese zu fassen: Seheindrücke strukturiert geometrisch darzustellen. Bereits damals zeichnet sich ab, dass sie die Technik und Theorie des Wiener Kinetismus entscheidend weiterentwickeln wird. Vor allem aber spielen eigene Vorlieben in ihre Kompositionen hinein, wie die Leidenschaft für Bühne und Tanz. Um 1925 entwirft sie mit schwarzer Kreide, Bleistift und Kohle ihr „Kinetisches Marionettentheater“: sich drehende Körper in einem mehrdimensionalen Raum.
Als Klien in die Vereinigten Staaten emigriert, lässt sie einen unehelichen Sohn zurück, der bei Pflegeeltern aufwächst. Obwohl sie ausgestellt wurde, musste Klien ihren Lebensunterhalt als Lehrerin und Gebrauchsgrafikerin bestreiten. Systemische Barrieren, gesellschaftliche Normen und politische Umstände erschwerten ihren Aufstieg.
Im Belvedere Museum Wien wird die präzise Beobachterin des modernen Großstadtlebens nun mit einer Schau geehrt. Versammelt sind Arbeiten aus frühen und späten Schaffensphasen ihres furiosen Œuvres, die Klien als meisterliche Kompositeurin komplexer Bewegungsabläufe – ob nun natürlicher oder technischer Art – ausweisen. Jana Janika Bach
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen