Zwei Frauen in Florida erschossen

Mord im Yogastudio

Ein Mann erschießt in einem Yogastudio in Tallahassee (Florida) zwei Frauen. Online-Videos von ihm belegen rassistische und frauenfeindliche Aussagen.

Polizei vor einem Haus in Tallahassee

Polizeieinsatz in der Nacht vor dem Yoga-Studio in Tallahassee/Florida Foto: ap

TALLAHASSEE ap | Ein Mann hat in einem Yogastudio in Florida zwei Frauen getötet und fünf weitere Personen verletzt. Nach der Tat in einem Einkaufszentrum in Tallahassee nahm sich der Schütze das Leben, wie die Polizei am Freitagabend (Ortszeit) mitteilte. Der Täter wurde als ein 40 Jahre alter Mann identifiziert, der bereits wegen Tätlichkeit angeklagt war.

Bei den Todesopfern handelte es sich um zwei Frauen im Alter von 61 und 21 Jahren, wie die Zeitung The Tallahassee Democrat berichtete. Beide hatten Verbindungen zur Florida State University, wie die Universität mitteilte. Es sei furchtbar, eine Studentin und ein Fakultätsmitglied zu verlieren, erklärte der Präsident der Universität, John Trasher.

Der Schütze handelte nach Überzeugung der Polizei allein. Sein Motiv war unklar. Der Polizeichef von Tallahassee, Michael DeLeo, bat Augenzeugen, ungewöhnliche Beobachtung den Behörden zu melden. Eine Zeugin sagte, Verletzte hätten ihr erzählt, der Schütze habe das Studio wiederholt verlassen und sei wieder hineingegangen. Als er seine Waffe geladen habe, hätten die Menschen an die Fenster des Studios geschlagen, um andere zu warnen.

Der Vorfall ereignete sich in der Hauptstadt von Florida in einem kleinen Einkaufszentrum, in dem das Yogastudio untergebracht ist. Zahlreiche Polizei- und Krankenwagen waren vor Ort. Eine große Kreuzung in der Nähe wurde gesperrt, die Geschäfte im Einkaufszentrum wurden abgeriegelt.

Rassistische und frauenfeindliche Videos

Gerichtsakten zufolge war der Mann vor sechs Jahren angeklagt, weil er im Speisesaal der Florida State University Frauen ans Gesäß gegriffen haben soll. 2016 wurde ihm vorgeworfen, eine Frau geschlagen und begrapscht zu haben. Verurteilt wurde der jedoch nicht.

Bürgermeister Andrew Gillum, der sich für die Demokraten um das Gouverneursamt in Florida bewirbt, brach seinen Wahlkampf ab. Er werde nach Tallahassee zurückkehren, twitterte er. Er dankte der Polizei für deren schnelle Reaktion.

Der mutmaßliche Todesschütze in einem Yogastudio in Florida soll einem Bericht zufolge lange vor der Tat rassistische und frauenfeindliche Videos ins Internet gestellt haben. In einer Serie von YouTube-Posts aus dem Jahr 2014 habe er unter anderem den Kleidungsstil und die Ausdrucksweise vieler Afroamerikaner kritisiert und Frauen in Liebesbeziehungen mit schwarzen Männern als „Huren“ bezeichnet, wie das Medienportal BuzzFeed am Samstag meldete.

„Invasion“ aus Zentralamerika beklagt

In einem anderen Video habe der mutmaßliche Täter eine „Invasion“ aus Zentralamerika beklagt. Zudem schlug er vor, Landminen zu platzieren, um Menschen vom Grenzübertritt in die USA abzuhalten. In einem anderen Post erklärte der Mann, promiske Frauen hätten die Kreuzigung verdient. Zudem echauffiert er sich über Damen, die ihn nach seinen Angaben zum Frauenhasser gemacht hätten.

In einem weiteren Video soll sich der mutmaßliche Todesschütze mit dem 22-jährigen Elliot Rodger verglichen haben, der 2014 nahe der University of California in Santa Barbara sechs Studenten erschoss und mehr als ein Dutzend weitere verletzte. Rodger bezeichnete sich selbst als „Incel“ – die englische Kurzform für „unfreiwilliges Zölibat“.

Ein Sprecher der Polizei von Tallahassee wollte weder bestätigen noch dementieren, dass es sich um Videos des Todesschützen handele. Das Motiv des als 40-jährigen Mann namens Scott Paul B. identifizierten Verdächtigen ist noch unklar. In den Videos genannte biografische Details passen zu den bisher bekannten Fakten über den Verdächtigen.

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