: Zur Erinnerung: Ustica und Ramstein
■ Zwei ungeklärte Flugzeugabstürze/ Zehn mysteriöse Todesfälle/ Neue Ermittlungen
Am 27.Juni 1980 stürzte ein Flugzeug vom Typ DC 9 mit 81 Personen an Bord nahe der Mittelmeerinsel Ustica ab. Niemand überlebte. Die bald aufgetauchte Hypothese eines Raketentreffers wurde vom italienischen Generalstab und der Regierung mehr als ein Jahrzehnt lang abgestritten: „Materialermüdung“ oder eine Bombe sei es gewesen.
An eine Bergung der Wrackteile wollte die Regierung jedoch bis Mitte der achtziger Jahre nicht heran. Sie begann erst 1986 nach massiven Kampagnen der Hinterbliebenen. Doch das mit der Bergung beauftragte französische Unernehmen geriet später in Verdacht, eng mit den Geheimdiensten liiert zu sein. Es hörte nach dem Heraufholen von nicht einmal vierzig Prozent der Trümmer und ohne Entdeckung der beiden black boxes mit der Arbeit auf – Ergebnis: Absturzursache nicht zu klären.
1990 übernahm der Untersuchungsrichter Rosario Priore den Fall. Seither kommt Schwung in die Sache. Reste wurden geborgen, Splitter von Raketen-Baustoffen wurden im Kabineninneren entdeckt. Die nun geborgenen black boxes weisen nach, daß die Piloten im letzten Augenblick draußen etwas Furchtbares sahen.
Zwischen 1986 – als die Regierung die volle Aufklärung versprach – und 1988 kam es zu einer Reihe merkwürdiger Todesfälle unter Personen, die jeweils kurz vorher die Raketen-Hypothese vertreten oder Wissen um die Wahrheit über Ustica kundgetan hatten. Besonders Grosseto nördlich von Rom und die dortige Militärbasis Poggioballone erwischte es hart: So starb der Bürgermeister der Stadt, der von „Nachrichten über den Abschuß“ gesprochen hatte, in einem Verkehrsunfall; der Kommandant des Flugplatzes wurde, obwohl kerngesund und erst 35, von einem Herzinfarkt dahingerafft. Der in der Nacht diensttuende Lotse Mario Dettori, der von einem „beinahe ausgebrochenen Krieg“ berichtet hatte, wurde erhängt aufgefunden.
Und schließlich starben auch noch zwei Flieger, die damals just während des Vorbeiflugs der DC9 von Grosseto zu einer Abfangaktion gegen eine nicht identifizierte Maschine aufgestiegen waren – sie gehörten zu den Piloten der Frecce tricolore, die über der US-Air-base Ramstein ineinanderflogen und mehr als siebzig Tote und vierhundert Verletzte hinterließen. Nur wenige Tage vor dem Ramstein- Desaster am 30.August 1988 war ihr damaliger Einsatz entdeckt worden, aussagen konnten sie nicht mehr. Eine hinreichende Untersuchung des Frecce-Absturzes steht bis heute aus – Italien hat aufgrund des Nato-Status den Fall an sich gezogen und dann das strafrechtliche Verfahren ohne weitere Recherchen (etwa wegen möglicher Manipulationen an der Maschine des unglücksverursachenden Solopiloten) mit der Begründung eingestellt, der Mann sei tot und gegen Tote dürfe man nicht ermitteln. Werner Raith
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