Zu eng geschnürtes Rettungspaket: Chiphersteller Qimonda ist pleite

Nach monatelangem Siechtum kapituliert der Hersteller von Speicherchips. In Deutschland sind 4.600 Beschäftigte betroffen, vor allem in Dresden. Die sächsische Landesregierung will Teile retten.

Die Tochterfirma von Infineon bekommt jetzt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren. Bild: dpa

Bereits zu Wochenbeginn offenbarte der schwer angeschlagene Speicherchiphersteller Qimonda ein weiteres 300-Millionen-Loch - Freitagmorgen kapitulierte nun der Konzernvorstand und meldete Insolvenz an. Ein zuvor mit dem Mutterkonzern Infineon, dem Land Portugal, dem Bund und den Bundesländern Sachsen und Bayern ausgehandeltes Rettungspaket in Höhe von 325 Millionen Euro reichte offenbar nicht mehr aus. Am Donnerstag hatte die Bundesregierung intern erklärt, nicht mehr als Bürge zur Verfügung zu stehen. Als Insolvenzverwalter wurde vom Amtsgericht München Michael Jaffé bestellt, der spätestens seit der Pleite des Medienzars Leo Kirch als erfahrener Insolvenzanwalt gilt.

In Deutschland sind das Hauptwerk in Dresden mit 3.200 und München mit 1.400 Mitarbeitern betroffen. Infineon hatte im Mai 2006 seine schon damals instabile Speicherchipsparte ausgegliedert und der Neugründung Qimonda zugeschlagen. Die auf der Basis von 300-Millimeter-Silizium-Wafern gefertigten Speicher werden in Computern, Spielen oder Mobiltelefonen eingesetzt. Weltweit hat Quimonda etwa 12.200 Mitarbeiter.

Der Freistaat Sachsen hatte bis 1999 die Ansiedlung der Halbleiterbranche mit 822 Millionen Mark gefördert. Neben Zuwendungen für den Prozessorenhersteller AMD floss die reichliche Hälfte davon in das damalige Simec-Werk von Infineon am Stadtrand.

Quimonda war seit 2007 mehrfach in Bedrängnis geraten und hatte in Dresden bereits den Abbau von einem Drittel der Stellen angekündigt. Vor Weihnachten und zu Jahresbeginn 2009 liefen bereits turbulente Verhandlungen um die Rettung des Unternehmens. Mit einer vom Land Sachsen angebotenen Bürgschaft von 150 Millionen Euro zeigte sich der Mutterkonzern Infineon, der 77,5 Prozent der Aktien hält, nicht zufrieden. Während er selbst nur 75 Millionen beisteuern wollte, sollte Sachsen auch Anteile an Qimonda übernehmen. Die Linke im Landtag unterstützte diese Forderung, während die CDU-Landtagsfraktion und die FDP bereits die hohe Landesbürgschaft infrage stellten. Das Paket sollte durch einen Beitrag des Staates Portugal komplettiert werden, wo ein von der entwicklungsorientierten Dresdner Fabrik direkt abhängiges Werk steht.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) nannte die Qimonda-Pleite einen "schweren Schlag für den Mikroelektronikstandort Dresden". Er und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) äußerten sich aber optimistisch, dass noch ein Investor gefunden werden könne oder zumindest Teile des Standortes gerettet werden können. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums werden die Verhandlungen dazu fortgesetzt.

Für das Desaster machte Ministerpräsident Tillich vor allem mangelndes Engagement des Mutterkonzerns Infineon verantwortlich. Die IG Metall warf den Qimonda-Managern Versagen vor. Der sächsische CDU-Fraktionsvorsitzender Steffen Flath forderte mehr Hilfen von der Europäischen Union. Schon früher hatte die CDU eine Lockerung der Beihilfebeschränkungen angemahnt.

Der Branchenexperte Joachim Ragnitz vom Dresdener ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut wies auf notwendige strategische Weichenstellungen hin. Es sei eine politische Entscheidung, ob man europäische Standorte der Chipproduktion wolle. Dann könne man auch dem weltweiten Subventionswettlauf nicht ausweichen. In Asien schließen sich Firmen um den Marktführer Samsung zusammen und erhalten hohe Förderung. Die Preise für Speicherchips befinden sich weltweit allerdings weiter im Sinkflug.

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