: Zeugen Jehovas: Sekte oder Kirche?
Um das Jahr 1870 begann eine Gruppe um den in Pittsburgh (USA) geborenen Kaufmann Charles T. Russell mit dem systematischen Studium der Bibel. Die geistige Heimat der „Ernsten Bibelforscher“, die sich seit 1931 Zeugen Jehovas nennen, ist der amerikanische Adventismus, der kirchliche Lehren und Traditionen in Frage stellt. Sie lehnen die Dreifaltigkeitslehre, das Kreuz als christliches Symbol und Weihnachten als heidnisches Fest ab, nennen Gott „Jehova“und leben in Erwartung eines „Tausendjährigen Reiches“, das nach der Schlacht von Harmagedon anbrechen soll. Dem apokalyptischen Gemetzel werden, so die Prophezeiung, die von Satan beherrschten Kirchen und politischen Mächte zum Opfer fallen.
5,2 Millionen Menschen in über 200 Ländern bekennen sich zu den Zeugen Jehovas, in Deutschland sind es 192.000. Ihren Glauben verbreiten sie durch die Zeitschriften „Der Wachtturm“und „Erwachet“in 126 Sprachen. Auflage: 40 Millionen. Den Anhängern sind Wehrdienst, Übernahme politischer Ämter und Teilnahme an Wahlen sowie vorehelicher Geschlechtsverkehr und Bluttransfusionen verboten.
Kritiker behaupten, die Sekte trage „totalitäre Merkmale“, strebe aber – anders als Scientology – nicht die Weltherrschaft, sondern die Macht über den einzelnen Menschen an. Die „Herde“werde mit psychischem Druck, gegenseitiger Bespitzelung und einem ausgefeilten Strafkatalog zusammengehalten.
Zur Zeit ist eine Beschwerde der Zeugen Jehovas vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig. Das Bundesverwaltungsgericht hatte Anfang des Jahres ihren Antrag auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts abgelehnt. vs
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