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Zelle 79 in CottbusSprengstoffangriff auf linkes Wohnprojekt

Erneut griffen Unbekannte die Zelle 79 in Cottbus an. Das linke Wohnprojekt ist seit Langem im Visier der rechten Szene.

Aufgesprengte Tür: Die Folgen des Angriffs auf die Zelle 79 sind deutlich sichtbar Foto: Margarete Blumenthal

Die massive Haustür ist verbogen und aus den Angeln gerissen, die Klingelanlage hängt nur noch mit wenigen Kabeln an der Wand. Die Bilder von den Folgen des Angriffs vorige Nacht lassen die Stärke der Explosion nur erahnen. In der Nacht zum Dienstag wurde wieder einmal das linke Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus Ziel eines Angriffs. Verletzt wurde nach Angaben des Hausprojekts glücklicherweise niemand.

Nach Angaben der Polizei zündeten Unbekannte gegen Mitternacht eine größere Menge Pyrotechnik. Dabei seien Hauseingang, Briefkasten, Klingel und Mauerwerk beschädigt worden. Ein politischer Hintergrund sei nicht ausgeschlossen, der politische Staatsschutz ermittelt.

„Ich habe schon geschlafen, als ich durch die Explosion aufgeschreckt wurde“, berichtet Hausbewohnerin Fabi Buchholz. Infolge der Explosion verbreiteten sich Qualm und Brandgeruch durch das ganze Haus. Die Brandmeldeanlage wurde ausgelöst, berichtet die Bewohnerin.

Der Angriff ist eine weitere Eskalation einer zunehmenden Anzahl von rechten Angriffen auf alternative, linke und subkulturelle Orte in Südbrandenburg und darüber hinaus

Lukas Pellio, Initiative sichere Orte

Der Knall sei noch lauter und stärker gewesen als das letzte Mal vor drei Wochen, sagt Buchholz. Anfang Dezember gab es einen ähnlichen Vorfall, bei dem Unbekannte den Briefkasten des Hausprojekts in die Luft sprengten. Die Zelle 79 ist immer wieder das Ziel von rechten Angriffen. Überregionale Aufmerksamkeit erregte ein Vorfall im Mai, bei dem eine Gruppe Neonazis nachts das Haus belagerte und versuchte, den Innenhof in Brand zu setzen.

„Verstärktes Augenmerk“

„Der Angriff ist eine weitere Eskalation einer zunehmenden Anzahl von rechten Angriffen auf alternative, linke und subkulturelle Orte in Südbrandenburg und darüber hinaus“, sagt Lukas Pellio von der Initiative Sichere Orte. Das Bündnis hat sich als Reaktion auf rechte Übergriffe in der Region gegründet. Durch Öffentlichkeitsarbeit, gegenseitige Unterstützung und das Sammeln von Spenden wollen die Ak­ti­vis­t:in­nen die Folgen rechter Angriffe abfedern.

Die Polizei kündigte auf taz-Anfrage an, zum Jahreswechsel ein verstärktes Augenmerk auf die Sicherheit des Objekts zu legen. „Wir sind im ständigen Austausch mit den Bewohnenden und auch der Initiative und nehmen diesen Vorfall – genau wie die vorangegangenen – nicht auf die leichte Schulter“, sagte Sascha Erler, der Pressesprecher der Polizeidirektion Südbrandenburg.

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