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Wohnzimmer der Gesellschaft Tischtennis schützt Demokratie!

In der neuen Folge der Reihe „Wohnzimmer tv“ von taz FUTURZWEI treffen wir Rena Krebs, 94 und Monique Mertins, 14. Beide schaffen „Orte der Begegnung außerhalb des Handys“.

Ein mögliches Wohnzimmer der Gesellschaft: die Tischtennisplatte im Grünen. Foto: picture alliance/dpa | Nicolas Armer

taz FUTURZWEI | Rena Krebs betreibt seit 1999 in Köln ein Wohnzimmer der Gesellschaft, genauer gesagt, sie lädt Leute in ihr eigenes Wohnzimmer ein, um mit ihnen zu sprechen. „Keine Selbsterfahrungsgruppe, kein Debattiercafe, keine Referenten, wir sprechen über ein Thema, das uns geistig herausfordert“, sagte Krebs bei Wohnzimmer tv, der Weiterdenken-Sendung von taz FUTURZWEI in der taz Kantine.

Der „Trakehner Gesprächskreis“ ist einer von mittlerweile um die 500 Orten der Begegnung, die sich bei wohnzimmer-der-gesellschaft.org eintragen, um die analogen Orte für andere sichtbar und begehbar zu machen.

Das Denken als Werkstatt

Es geht darum, wie taz FUTURZWEI-Herausgeber und Wohnzimmer tv-Moderator Harald Welzer sagte, im Sinne des gerade verstorbenen Alexander Kluge „das Denken als Werkstatt zu begreifen“. Orte des Gemeinsamen, an dem sich die Verschiedenen treffen, sagt Welzer, seien konstitutiv für die liberale Demokratie.

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Rena Krebs ist mittlerweile 94, macht das seit 27 Jahren und hat mittlerweile 182 Wohnzimmer-Abende geleitet. Es kommen von Ärzten bis Ordensfrauen die unterschiedlichsten Leute, 15 oder 16 seien mittlerweile gestorben, neue dazukommen. Fast alle sind ehrenamtlich engagiert.

„Die Struktur ist so: erst wird zusammen gegessen, Punkt 20 Uhr gehts los, einer aus der Gruppe trägt eine Stunde etwas vor, das ihn umtreibt, dann wird eine Stunde diskutiert. Dann steht man noch in der Küche herum.“ Im Verteilerkreis sind etwa 20 Leute, aber, sagt Krebs: „,Die Zahl ist nicht so wichtig, wir wollen zusammen nachdenken, wir haben schwere Themen, wir wollen uns auch etwas zumuten.“

Demokratiedefizit für Jugendliche?

Eine andere Form demokratischer Stärkung versucht Monique Mertins herzustellen, nämlich als Schülersprecherin die Jugendlichen am Melanchthon-Gymnasium, Berlin, zu verknüpfen. Mertins ist 14 und sieht ein eklatantes Demokratiedefizit für junge Menschen.

„Es kommt vor, dass unsere Meinung gehört wird, aber sie wird sehr, sehr selten umgesetzt, das ist für mich ein grundlegender Widerspruch“, sagte sie. „Wir können nicht von jungen Menschen erwarten, dass sie die Demokratiewerte vertreten, wenn wir ihnen aktiv das Gefühl geben, dass ihre Stimme nicht sichtbar ist.“ Das stört sie und deshalb engagiert sie sich.

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Ganz konkret und gar nicht profan geht es, zum Beispiel, darum, dass ein Verbot von Handys auf dem Schulhof akzeptiert werden kann, aber dann, sagte sie der Schulkonferenz, „müsst ihr auch in der Lage sein, eine Alternative zu schaffen.“ Sie sammelt jetzt eigeninitiativ für eine Tischtennisplatte. Die Idee ist, „Orte der Begegnung zu schaffen, die außerhalb des Handys möglich sind.“ Wie der verstorbene Jürgen Habermas sagte: Das Gespräch darf nicht aufhören!

Die ganze Sendung Wohnzimmer tv mit Harald Welzer, Rena Krebs, Monique Mertins, Rainer Prohaska (Futurama Lab), Jilet Ayşe (Comedian), Charlotte Hopf (Flussbad Berlin), Amadeus Templeton (TONALi) und Leonard Disselhorst am Cello finden Sie hier.

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