piwik no script img

„Wir werden ausgepreßt“

■ Postler gegen weitere Personal-Einsparung

„Ein weiteres Auspressen ist nicht mehr drin“ erklärte Postler D. gestern kategorisch auf einer Personalversammlung im Bremer im rappelvollen Ebert-Saal des DGB-Hauses. Wie alle Postämter soll auch im Postamt 5, der Bremer Postfabrik, aufgrund einer Verfügung von Post-Minister Schwarz-Schilling Personal „entrümpelt“ werden. 1,6 Prozent des Post-Personals will der Minister loswerden.

Unter der Vorgabe „die Verantwortung wird nach unten delegiert“ sollte der jeweilige Amtsvorsteher Personal einsparen - wo, das sei allein seine Sache. 24 volle bzw. 48 halbe „Arbeitseinheiten“ sind das Soll, das der PA-5-Chef auf Druck der Oberpostdirektion demzufolge zu erfüllen hatte.

Und was per „Entrümpelung 1988“ nicht einzusparen war, sollte vom Personalbedarf für 1989 abgezogen werden - wenn's sein muß, bis hin zu rollierenden Dienstplänen. Nach anfänglicher Zurückhaltung funktionierte das Amt dann auch wunschgemäß, wenn auch auf Druck: 17 Maßnahmen wurden mittlerweile durchgeführt - von Einsparungen beim Pförtnerdienst bis hin zu rollierenden Dienstplänen.

Der Personalrat lehnte dagegen jede Maßnahme ab. Außerdem klagte er vor dem Verwaltungsgericht und bekam recht: Bei der Verabschiedung von rollierenden Dienstplänen wurde den Personalräten Mitwirkung zugestanden. Unterdessen soll übrigens eine Verfügung in Vorbereitung sein, die rollierende Dienstpläne nicht mehr zwingend verordnet.

Trotzdem will die Oberpostdirektion in die 2. Instanz gehen. Davon erhoffen sich die Personalräte der betroffenen Postämter 1 und 5 jedoch eine ähnliche Entscheidung, die sogar auf eine Zurücknahme der Entrümpelung hoffen läßt.

Was die bisherige Aktion im Arbeitsalltag bewirkt hat, schildern die Postler anschaulich: mit 11 Prozent weit und breit den höchsten Krankenstand, Arbeitshetze und Arbeitszeitverdichtung in sämtlichen Abteilungen.

Konkret zum Beispiel am Fließband im Postversand: In manchen Zeiten stehen nur je ein Mann an jeder Seite des Bandes, um wegzuräumen, was von oben in rasender Schnelle auf dem Band aufgetürmt wird. In den höher qualifizierten Abteilungen werden Wartungen von Geräten nun auf die Angestellten abgeschoben und nur auf den Bedarfsfall reduziert. Die Arbeit am neueingeführten Personalcomputer bringen sich die Postbeamten in ihrer Freizeit auf eigene Kosten bei, usw.

ra

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen