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Wieder ein schwarzer Wahltag für die Torys

■ Bei den Lokalwahlen machte die Regierungspartei den dritten Platz hinter Labour und den Liberalen / Hinterbänkler will gegen John Major kandidieren

London (taz) – Er werde bereit sein und um seinen Posten kämpfen, sagte der britische Premierminister John Major gestern trotzig. Das wird auch nötig sein: Einer seiner Hinterbänkler, John Carlisle, hat angekündigt, daß er auf dem Parteitag im Herbst gegen Major kandidieren werde, nachdem die Torys bei den Lokalwahlen am Donnerstag das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte erzielten. Sie verloren rund 450 Sitze und büßten die Kontrolle über 17 Bezirksverwaltungen ein.

Noch schlimmer sieht das Resultat aus, wenn man es in Prozentzahlen ausdrückt: Mit einem Anteil von 27 Prozent sind die Konservativen zum ersten Mal auf den dritten Platz hinter die Liberalen Demokraten zurückgefallen, die ein Prozent mehr erhielten. Sie stellen nun knapp 400 Bezirksräte mehr als zuvor und können sich zu Recht als Sieger der Wahl fühlen. Labour kam zwar auf 41 Prozent, hatte aber aufgrund von Umfragen in den letzten Wochen mit mehr gerechnet. Dennoch sprach Labour-Chef John Smith von einem „glänzenden Abschneiden“ seiner Partei: „Ich habe die Bevölkerung am Mittwoch aufgefordert, Major zu demütigen“, sagte er, „und sie hat es getan.“

Besondere Genugtuung empfand Smith darüber, daß es Labour gelungen ist, den Liberalen den Wahlkreis Tower Hamlets im Londoner Eastend abzunehmen. Die Wahl fand dort unter Polizeischutz statt. Zum ersten Mal in der britischen Geschichte mußten WählerInnen zu den Wahllokalen eskortiert werden, weil Mitglieder der faschistischen British National Party (BNP) den ausländischen WählerInnen unterwegs auflauerten. Derek Beackon, der einzige BNP-Stadtrat, verlor auf der Isle of Dogs seinen Sitz, den er bei einer Nachwahl im vergangenen September gewonnen hatte (siehe taz vom Donnerstag).

Führende Tory-Politiker stellten sich gestern schützend vor ihren Premierminister – ein untrügliches Zeichen dafür, daß er in akuter Gefahr ist. Der Parteivorsitzende Norman Fowler sagte, die Lokalwahlen seien kein Referendum über Major gewesen. Fowlers Vorgänger Kenneth Baker gab die Schuld für das Debakel der Steuererhöhung und der niedrigen Wahlbeteiligung. „Das Ergebnis ist zwar schlecht, aber noch lange keine Katastrophe“, machte er seiner Partei Mut. „Viele Millionen Menschen haben am Donnerstag konservativ gewählt. Das Tory-Schiff muß den Sturm überstehen. Es hat keinen Sinn, den Kapitän über Bord zu werfen.“

Industrieminister Michael Heseltine, der als aussichtsreicher Major-Nachfolger gehandelt wird, forderte den Hinterbänkler John Carlisle auf, seine Kandidatur-Androhung zurückzunehmen. Doch der sagte, daß den Torys die Gelegenheit gegeben werden müsse, im Herbst öffentlich ihren Unmut über Major zu demonstrieren. Bis zu den Europawahlen im Juni hat Major jetzt eine Atempause. Sollte sich das Debakel dann fortsetzen, wird es sich wohl auch Industrieminister Heseltine überlegen, ob er Major noch unterstützen kann. Ralf Sotscheck

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