Werder Bremen in der Krise: Großer Aufwand, kein Ertrag

Nach dem 0:1 gegen Wolfsburg fürchtet Werder Bremen nun um ihren Champions League-Platz - weil davon nicht nur viel Geld, sondern auch der Verbleib von Diego abhängen könnte

Werder Bremen steht im Regen: eine Geste, die sagt als viele Worte. Bild: ap

BREMEN taz Es ist das übliche Ritual auch nach Genickschlägen wie diesen. Ist die Lage auch noch so prekär, Thomas Schaaf weicht keinen Zentimeter von seinen Gewohnheiten ab. Der Fußball-Lehrer gibt seinen Profis am Montag und Dienstag nach einem Spiel trainingsfrei, also auch heute und morgen - obwohl Werder Bremen nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat. Vielleicht ist das ja die richtige Methode, um jene Lockerheit wiederzuerlangen, die den Hanseaten derzeit völlig abgeht. Großer Aufwand, geringer Ertrag - dieses Manko zieht sich wie ein roter Faden durch die grün-weiße Rückrunde. Das Plakat mit der Aufschrift "Bayern, wir kriegen euch" rollten die Fans in der Ostkurve jedenfalls am Sonntag schnell wieder ein.

Denn die Bilanz ist für einen Titelanwärter erschreckend: Ausgeschieden in Achtelfinale von DFB- und Uefa-Pokal, nur sieben Punkte in sieben Liga-Spielen, überhaupt schon sechs Niederlagen in zwölf Pflichtspielen 2008. Ergo: Aus den Titelträumen sind Albträume geworden. Und sollten die Bremer auch am Saisonende auf Platz vier rangieren, dann hieße das Uefa-Cup statt Champions League - und wäre für einen Klub, der ursächlich wegen seiner regelmäßigen Gastspiele in der Königsklasse seinen Umsatz auf mehr als 105 Millionen Euro und seinen Personalkostenetat auf mehr als 35 Millionen Euro geschraubt hat, der GAU. "Unser erster Gedanke muss sein, noch Platz zwei für die direkte Champions-League-Qualifikation zu erreichen", fordert denn auch Sportchef Klaus Allofs, wohl wissend, dass der wirtschaftlich limitierte Bundesliga-Standort Bremen in jene Abwärtsspirale geraten könnte, die Vereine mit ganz anderen Rahmenbedingungen erfasst hat.

Allerdings herrscht Rätselraten über die genauen Ursachen des Absturzes. Gewiss, es war wieder ein schneller Gegenstoß in eine Werder-Angriffswelle, mit denen der mutig mitspielende VfL Wolfsburg durch Grafite (50.) die Partie entschied. Der goldene Treffer war das bereits 13. Konter-Gegentor der Saison.

Doch es liegt mehr im Argen: "Wir stoßen an unsere Grenzen", gibt Allofs zu. Die ehemaligen Schalker Talente Mesut Özil und Sebastian Boenisch sind noch nicht weit genug, aber auf der Tribüne sitzen einträchtig die gesperrten oder verletzten Nationalspieler Torsten Frings, Per Mertesacker und Tim Borowski. Der letztmals gesperrte Diego hatte allerdings saß in einer Loge mit seiner brasilianischen Entourage. Werders Topstar zieht es, lässt sein Vater Djair da Cunha verlauten, schon am liebsten diesen Sommer zu Real Madrid. Allofs mag dazu "nichts Ernsthaftes sagen". Doch auch der 51-Jährige weiß: Die Champions League ist letztlich das entscheidende Argument, um auch dem 23-jährigen Brasilianer jene Perspektive zu offerieren, auf die ein Klub wie Werder Bremen mittlerweile viel nötiger angewiesen ist, als das die Verantwortlichen zugeben mögen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben