Werbedeal zwischen Google und Yahoo: Wettbewerbshüter liegen auf der Lauer

Die Reklameindustrie fürchtet, dass durch die Allianz zwischen Suchriese und Portal-Marktführer die Preise für Netzwerbung steigen könnten. In Kalifornien droht ein Kartellverfahren.

Über der kalifornischen Avenue 701 scheint zwar immer die Sonne, über den Werbedeal von Yahoo und Google hängen jedoch derzeit die dunklen Wolken eines Kartellverfahrens. Bild: ap

Es war eines der beherrschenden Themen der Internet-Industrie in diesem Jahr: Die gescheiterte Übernahme des Portal-Riesen Yahoo durch den Software-Giganten Microsoft. Inzwischen dümpelt die Yahoo-Aktie leicht über ihrem Fünfjahrestief und bei Microsoft versucht man mit einer 300 Millionen Dollar teuren Werbekampagne, sein durch Windows Vista angeknackstes Image aufzupolieren.

Dennoch hatte der schief gelaufene Superdeal massive Auswirkungen auf die Netzwelt: Yahoo flüchtete sich in die Arme des Suchmaschinenmarktführers Google, der ab Ende September Werbung auf Yahoo-Angeboten in den USA und in Kanada platzieren soll. Nur so konnte Yahoo eine Palastrevolution in seinem Aufsichtsrat verhindern, sollen doch gut 800 Millionen Dollar zusätzlich pro Jahr in die Kasse fließen.

Doch ob es soweit kommt, ist alles andere als klar: In den USA mehren sich die Stimmen, die ein regulatorisches Eingreifen fordern. Gar ein Kartellverfahren soll in der Luft liegen, heißt es aus Washington und aus Yahoos Heimat Kalifornien. Die Marktmacht, die der Suchmaschinenriese und der Portal-Marktführer zusammen aufbringen würden, ist in der Tat gigantisch: Je nach Statistik vereinen sie bis zu 90 Prozent der Suchanfragen im amerikanischen Internet auf sich. Yahoo ist als Portal dabei besonders bei Markenkampagnen mit so genannten "Display Ads", also großen Bannern, Bildern und Multimedia, führend, während Google Spezialist für Textwerbung ist, die passend zum Inhalt einer Website oder Suchanfrage auftaucht.

Der erste Schlag gegen die geplante Allianz kam vom US-Werbeverband Association of National Advertisers (ANA). Der repräsentiert große Reklametreibende wie den Multi Procter & Gamble, Supermarktriesen wie Wal-Mart oder Autokonzerne wie General Motors. In einer Stellungnahme zum Yahoo-Google-Werbedeal hieß es Anfang September, man sei nach einer ausführlichen Analyse der Situation zu dem Schluss gekommen, dass das Vorhaben wettbewerbsfeindlich sei. "Die Marktmacht wird konzentriert, die Auswahl für die Kunden eingeschränkt." Außerdem sei zu befürchten, dass die Kosten für qualitativ hochwertige, derzeit noch preiswerte Suchmaschinen-Werbung steigen würden. Google und Yahoo setzen dem entgegen, dass nur ein Teil der Reklameplätze bei Yahoo tatsächlich von Google vermarktet werde, der Rest bleibe wie gewohnt bei Yahoo.

Doch nicht nur Branchenverbände haben Bauchschmerzen mit dem Werbedeal. US-Medienberichten zufolge scheint sich das US-Justizministerium auf ein eventuelles Kartellverfahren vorzubereiten. Schon seit längerem beschäftigt die Behörde Anwälte, die die Verträge analysieren sollen. In der vergangenen Woche wurde dann bekannt, dass das Ministerium Sanford M. Litvack, einen erfahrenen Kartellrechtsanwalt, berufen habe, die gesammelten Beweise auszuwerten. Laut New York Times kommt es selten vor, dass sich die Behörde solcherlei Rat von außen holt - außer sie plane ein Verfahren. "Dieser Special Counsel würde nicht angefordert, wenn keine Klage vorbereitet würde", sagte Sam Miller, ein Anwalt, der im Kartellverfahren gegen Microsoft für das Ministerium arbeitete, gegenüber dem Blatt. Andere Beobachter sind sich da weniger sicher und sagten, die Entscheidung sei längst noch nicht gefallen. Lobbydruck wird unterdessen nicht nur von der ANA, sondern auch von Yahoos ehemaligem Bräutigam Microsoft aufgebaut: Der sieht seine Felle in Sachen Internet-Werbung davonschwimmen, wenn Google und Yahoo tatsächlich eng kooperieren.

Bevor das US-Justizministerium gegen den Werbedeal einschreitet, könnte ihm jedoch der Bundesstaat Kalifornien zuvorkommen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, sieht sich der Generalstaatsanwalt des Landes, in dem sowohl Google als auch Yahoo seinen Sitz haben, die Verträge an. Zwar ist die Untersuchung noch nicht offiziell eingeleitet, doch seien erste Dokumente angefordert worden, schreibt das Blatt San Francisco Chronicle.

Yahoo will trotz der Kritik jedoch weiterhin an dem Geschäft festhalten. Man halte sich "voll an die Regeln des Gesetzes" mit dem Werbedeal, sagt eine Yahoo-Managerin gegenüber der britischen BBC. Man habe sich deshalb auch freiwillig der derzeitigen Prüfung durch die US-Behörden unterzogen.

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