: Wenn man sich doch auf ein Gespräch einlässt
Zugstrecke Göttingen – Hamburg
Der ICE braucht rund zwei Stunden Fahrzeit, Entfernung: 224 Kilometer (Luftlinie).
Höhe Göttingen im ICE. Mein Computer vor mir, Kopfhörer auf den Ohren. Alles an mir signalisiert: „Bitte nicht ansprechen!“ Auf der Rückfahrt von den Weihnachtsfeiertagen nach Hause in Hamburg ist man am liebsten besinnlich mit sich selbst.
Als ich gerade meine Lieblingsplaylist starte, setzt sich eine Frau neben mich: „Und, wo müssen Sie hin?“ – Ich nehme meine Kopfhörer ab und versuche so wenig genervt wie möglich auf den Smalltalk-Versuch zu antworten. Früher habe ich das viel öfter und freudiger getan: Leute im Zug kennengelernt. Seit Corona hat sich das verändert – von wegen lieber auf Distanz bleiben. Dadurch bin ich reservierter geworden.
Doch das Gespräch wird zu einer schönen Begegnung. Es gibt Urlaubsgeschichten, Persönliches – aber auch nicht zu viel – und einen kurzen Einblick in ein fremdes Leben. Es ist wichtig, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die erfrischend anders sind als der gewohnte Freundes- oder Familienkreis.
Die Frau verabschiedet sich an der nächsten Haltestelle. Als ich meinen Blick wieder dem Computer zuwende, ertappe ich mich beim freudigen Gedanken, wer sich wohl als Nächstes neben mich setzt. Paul Weinheimer
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen