: Wenn einen die Wut der Machtlosen packt
Köln/Altstadt Nord
18.000 Einwohner
Der um die Innenstadt angelegte „Ring“ war früher die Flanier- und ist heute die Rasermeile von Köln.
Eigentlich ahnt man nichts Böses, wenn man sich, wie alle Tage, testen lassen will auf dem Weg zum Altenheimbesuch. Hat stets ohne Termin geklappt in der geräumigen Apotheke am Kölner Ring in der Nähe des Friesentors. Das Einloggen haben dann die MitarbeiterInnen vor Ort erledigt.
Nicht so an diesem Dienstag. „Sind Sie angemeldet?“, fragt der junge Tester, den ich hier noch nie gesehen habe. „Nein, ich habe kein Smartphone“, sage ich. „Dann kann ich Sie nicht testen“, sagt er. Ich erwähne, dass es bisher nie Probleme gab. „Sie glauben wohl, Sie wären der Nabel der Welt“, wütet er. „Ich habe keine Zeit.“ Dabei bin ich die einzige Kundin. „Falls ich Sie verletzt habe, tut es mir leid“, sage ich. „Ich nehme Ihre Entschuldigung nicht an“, keift er. „Ich teste Sie nicht.“ Ich frage nach dem Chef; der wird sicher kundenfreundlicher sein.
Nach einer halben Stunde komme ich wieder; treffe den Chef. Noch bevor ich reden kann, blafft er: „Der Kollege muss Ihre Entschuldigung nicht annehmen! Gehen Sie! Ich will das nicht weiter diskutieren.“ Ob das so ein Machoding ist? Möglich. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie sie sich anfühlt, die weiß glühende Wut der Machtlosen. Petra Schellen
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