: Wenn die Polizei schon den einen Weg findet
Mühsam schiebt die alte Dame ihren Rollator durch den weichen, knöchelhohen Schnee, der in Hamburg so selten fällt, dass offenbar niemand weiß, wie man ihn wegkriegen kann. Er bleibt einfach liegen, und der Rollator rollt nicht, er schlingert in alle Richtungen, die alte Dame muss ihn fast durch den Schnee tragen. Hilfe will sie keine. „Ich schaffe das schon“, sagt sie und lächelt tapfer.
Um die Ecke, an der Kreuzung beim Bäcker, steckt ein Müllauto fest. Oder vielleicht trödelt es auch nur? Die Müllfrau hinten schaut in aller Seelenruhe auf ihr Handy, eilig hat sie es nicht. Das Müllauto versperrt die Straße, sodass die Polizei, die jetzt hinten aus der Gegenrichtung auftaucht, nicht daran vorbeikommt. Die Polizei muss warten.
Hamburg-Ottensen
36.000 Einwohner*innen,
hat wie die ganze Stadt schon lange keinen Schnee mehr gehabt, der nicht gleich wieder weggetaut wäre.
In der Schlange vor dem Bäcker reden zwei junge Männer über die Nachtzüge nach Österreich, „da liegst du wie in einem Sarg“, sagt der eine, und plötzlich ist das Polizeiauto nicht mehr da, wo es war. Mit Blaulicht kommt es vom Gehweg heruntergeschossen, der Schnee stört es nicht. Es biegt über die Kreuzung ab und fährt, ohne Blaulicht, ganz langsam weiter. Geht doch! Daniel Wiese
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