: Wenn die Klapperschese niemand klauen mag
Neulich kaufte ich für eine Freundin ein Fahrradschloss, das teurer war als die Tretmühle, die sie sich kurz zuvor per Kleinanzeigen ergattert hatte. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr war ihr das Rad geklaut worden, jeweils einfache Drahtesel und keine Hightech-Hipster-Geschosse zum Preis einer Doppelhaushälfte. Sie ist nur eine von vielen Bekannten, die zuletzt ihr Rad eingebüßt haben. Womöglich kommt die Hälfte der etwa 25.000 Fahrräder, die jährlich in Berlin geklaut werden, in meinem Umfeld abhanden.
Man könnte meinen, ich sei sensibilisiert und würde besonders achtgeben. Doch wie aus Trotz schließe ich mein Rad, ebenfalls 20 Jahre alt, nie an etwas an, sondern verschließe nur Speichen und Rahmen. Ich möchte wider besseren Wissens an das Gute in den Menschen glauben – und es funktioniert. Als ich am Tag nach dem Schlosskauf morgens auf die Straße trete, stelle ich fest: Das Schloss steckt in der Halterung, das Rad stand eine Nacht zur freien Verfügung. Aber was immer ich auch tue, niemand will die Klapperschese haben.
Berlin-Kreuzkölln
Der verhipsterte Norden Neuköllns wird von seinen Neubewohner:innen als Kreuzkölln bezeichnet, weil man sich kulturell dem Nachbarbezirk deutlich näher fühlt als den kleinbürgerlichen Vierteln im Bezirkssüden. Fahrräder gibt es hier fast so viele wie Menschen.
So langsam frage ich mich, ob ich nicht beleidigt bin. Erik Peter
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