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Wenn die Erinnerung keine Familiensache ist

Die Sonne brennt auf den Waldfriedhof in Rotenburg. Einweihung: Vor zwei Informationstafeln stehen zwölf frisch gebackene Abiturient*innen. Sie wirken ein bisschen verloren zwischen den Ehrengästen. Eine Schülerin wird gefragt, wie es ihr ergangen sei mit den Dokumenten, den Todeslisten, den Patientenakten. Sie überlegt kurz. „Es war schon sehr schwer, was man da aufnimmt“, sagt sie. Eine Pause. Mehr kommt nicht. Ob das in ihren Familien ein Thema gewesen sei, diese Geschichte, direkt vor Ort, frage ich. Schulterzucken. Das KZ-Neuengamme, die Todesmärsche, die verscharrten 375 Toten: Stoff für ein Seminarfach, siebte Stunde, Dienstagnachmittag. Nicht für den Küchentisch bei Oma und Opa, die womöglich näher dran sind am Thema.

Der Landrat lobt „kritisches Geschichtsbewusstsein“. Der Volksbund spricht von Mahnung. Die Tafeln glänzen neu in der Mittagssonne. Die Schüler*innen, die recherchiert, kondensiert und formuliert haben, lächeln für ein Foto und gehen in die Sommerferien.

Rotenburg (Wümme)

23.200 Ein­wohner*innen.

Mit der Arbeit der Schüler*innen gibt es auf dem Waldfriedhof erstmals detaillierte Infos zu den NS-Opfern zu lesen. Kommendes Schuljahr soll erneut ein Kurs zur Erinnerungs­kultur statt­finden, mit Blick auch auf den jüdischen Friedhof.

Die Erinnerungskultur lebt. In der Schule. „Vorläufig“, zeigt sich der Volksbund-Vertreter optimistisch. Daniela Barth