: Wenn der Rauch für mächtig Aufruhr sorgt
Gründonnerstag. Ein Dorf ist in Aufruhr: Der Biobauer hat sein Osterfeuer direkt neben einem alten Treckeranhänger voll Autoreifen aufgebaut. Ein Foto dient als Beweis. „Sieht irgendwie geil absurd aus, so ohne Kontext“, sagt der Bruder. Er erntet ein Schnauben. Zufall oder Absicht? „Ach, was hier schon alles verbrannt wurde.“
Erinnerungen an Ostern vor 20 Jahren, als betrunkene Halbstarke am Morgen noch ihren Wohnwagen in die Glut schoben: „Müllverbrennung ist hier doch geschützt als Tradition und Brauchtum.“ Jedem Besuch wird sofort die Sachlage erklärt. „Nein!? Der ist doch bio?!“ „Müssen die das nicht eh noch mal umschichten, wegen der Tiere?“ „Schmeißen die die Reifen nacheinander rein oder soll der ganze Wagen brennen?“
Moorlage
600 Einwohner*innen,
gehört zur Gemeinde Großefehn in Ostfriesland. Der Name des Dorfs bedeutet „freie Fläche am Moor“. Deren Besiedelung begann 1798 auf dem Areal, das Herdenbesitzer zuvor als Gemeindeweide genutzt hatten.
Karfreitag ruft der Lateinlehrer an: „Ihr müsst was machen, euch betrifft der Rauch doch direkt.“ Er habe schon die Polizei gerufen: „Die sagen: Ist doch noch nichts passiert. Könnt ihr das glauben?“ Wir können. Samstag riecht es nach Dreißigjährigem Krieg. Rauchschwaden fangen sich zwischen den Wällen. „Haben die Reifen jetzt gebrannt?“, frag ich die Eltern. „Nee, nee. Die standen auch letztes Jahr da. Da gab’s schon die gleiche Diskussion. Hatten nur alle vergessen.“ Hilka Dirks
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