: Wenn das geklaute Auto wieder auftaucht
Hier spricht die Polizei“, tönt es aus dem Telefon, und mir ist gleich ein wenig unwohl. „Können Sie mir sagen, wo Sie wohnen?“ Ich antworte: „Kann ich – aber warum?“ Die Polizistin sagt ungerührt: „Ihr Auto wurde gestohlen. Ich stehe vor Ihrer Tür, und Sie sind offenbar nicht zu Hause. Sind Sie noch im Büro?“ „Ja“, sage ich, jetzt ernstlich verwirrt, „Sie sind aber gut informiert!“ Sie sagt nur: „Hab ich gegoogelt“, und dass ich mich auf den Weg nach St. Georg machen solle, dort könne ich das Auto bei ihren Kollegen wieder abholen.
Auf der Wache wartet schon einer auf mich. Kleinlaut sage ich: „War vielleicht nicht so eine gute Idee, die Tür offen und den Ersatzschlüssel im Handschuhfach zu lassen.“ Er hebt eine Augenbraue und sagt: „Gut, dass Sie das sagen, dann muss ich das nicht tun.“ Diese Typen hätten einfach nicht ausgesehen wie Autobesitzer, erklärt er, einer war ein „Stammkunde“ vom Drogenkiez. Eine Kollegin kommt rein und schüttet Dinge aus einer Tüte auf den Tisch. „Sind das Ihre?“ Ja, bis auf das Werkzeug und die Handschuhe.
Hamburg-St. Georg 12.500 Einwohner*innen.
Hier wurden 2025 mehr als 29.000 Straftaten gezählt, also mehr als doppelt so viele, wie der Stadtteil in der Mitte Hamburgs Einwohner*innen hat. Die meisten hatten mit Drogen zu tun.
Im Auto sehe ich, dass der Wein und die Pralinen weg sind. Aber aufgetankt haben die … soll ich die nun „Diebe“ nennen? Oder „Entleiher“? Jedenfalls müssten wir in etwa quitt sein. Jan Kahlcke
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen