: Wenn das Laute einfach weggelächelt wird
Indie-Folk ist eine Musikrichtung, für die auch sensible Zuhörer*innen keine Ohrstöpsel brauchen. Zur Gitarre erklingen Songs, die von Emotionen handeln. Der Gesang steht im Vordergrund. Im Fall der Hamburger Musikerin Deer Anna ist er glasklar und zerbrechlich. Die Zuhörer*innen in der Top Ten Bar des Hamburger Clubs Molotow hören andächtig zu.
Nun ist die Top Ten Bar im Keller des Molotow und drüber, im Erdgeschoss, gibt es einen zweiten Raum für Konzerte, in dem alles etwas größer ist: die Bühne, die Bar, der Anreiseweg der Bands. Und während Deer Anna im Keller den zarten Vibe zelebriert, donnert es auf einmal von oben, dann rumpelt es und sägt und grollt. Der Lärm ist – Musik.
Deer Anna kann dem keine Lautstärke entgegensetzen. Das Problem muss weggelächelt werden. „Die oben lassen’s ganz schön krachen“, sagt Anna.
Hamburg-St. Pauli
22.400 Einwohner*innen.
Mit der Reeperbahn hat der Stadtteil schon einen gewissen Ruf, und hier an der Nummer 136 hat auch das Molotow mittlerweile seine Heimat gefunden – eine legendäre Adresse schon deswegen, weil dort einst in ihren Hamburger Tagen die Beatles auftraten.
Die oben sind die Turbo A.C.’s aus New York. Hardcore-Surf-Punk, vier Ü-40-Männer mit tief hängenden Gitarren. Die Leute vor der Bühne prosten ihnen zu und tanzen wankend. Es ist Donnerstagabend im Molotow und die Welt zeigt, wie laut sie sein kann – und wie leise. Klaus Irler
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