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Wenn das Auto seinen Segen bekommt

Nicht zu fassen! Schon wieder steht im Dunkeln ein Auto mitten auf dem schmalen Bürgersteig vor unserer Tür, sodass man gar nicht mehr vorbeikommt. Frechheit! Aber Moment, Heckklappe und Kühlerhaube stehen offen – eine Panne?

Jetzt erst sehe ich die Menschen dazu: ein junges Paar, das nicht sonderlich besorgt aussieht – und den Popen der russisch-orthodoxen Kirche nebenan. Ob er auch Autos reparieren kann? Aber er hat seine Soutane an und hält kein Radkreuz in den Händen, sondern eine Art silbrigen Kelch, den er im Motorraum abstellt.

Im Karolinen­viertel,

in Hamburg-St. Pauli wohnen 4.100 Menschen. Aus der neoromanischen früheren evangelische Gnadenkirche wurde 2004 die russisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Johannes von Kronstadt in Hamburg.

Die drei wenden sich zur Kirche. Der Pope hält jetzt die Bibel hoch. Er rezitiert einen Text, ab und zu fallen die beiden mit ein paar Worten ein. Dann gehen die drei ums Auto herum. Der Pope wedelt in jede Öffnung mit einer Art übergroßem Rasierpinsel hinein. Das Paar bekreuzigt sich ein ums andere Mal und sieht sehr zufrieden aus. Und ich denke: Erstens haben die Russen offenbar ein noch innigeres Verhältnis zu ihrem Auto als die Deutschen. Zweitens scheinen mir die Probleme der Autoindustrie noch größer als gedacht, denn es ist nicht mal ein strahlend neuer Benz, sondern ein gebrauchter Golf. Jan Kahlcke

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