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Wenn Helden lautstark eine Ankunft feiern

Die beiden jungen Männer waren die Helden in der Regionalbahn 99, die zwischen Siegen und Frankfurt am Main durch sanfte hessische Hügel rollte. Der Zug war rappelvoll, wie es sich an einem sonnigen Sonntag erwarten lässt. Die beiden, einer davon mit Rastafrisur, saßen auf der Bank gegenüber dem Eingang zur Toilettenkabine.

Deren Tür klemmte, zur Verzweiflung einer Frau, die mit dem Griff kämpfte. Die jungen Männer kamen ihr zu Hilfe, öffneten die Tür und bewachten den Eingang, solange die Frau darin war, und lachten den dummen Spruch eines älteren Mannes weg, der vorschlug: „Lasst mal offen, dann haben wir was zu gucken!“

Als die beiden in Gießen aussteigen, laufen sie nebeneinander den Bahnsteig entlang und feiern lautstark die Stadt: „Gießen, wie geil!“

Schon klar, da war Ironie dabei, aber ihre Freude klang dennoch echt. Sodass ich sie frage: „Wenn ihr hier schon jubelt, was bitte macht ihr, wenn ihr mal in eine richtige Stadt kommt?“

Worauf der eine sich umdreht und sagt: „Oh, wir sind aus einer richtigen Stadt.“ Und der andere fügt hinzu: „Nämlich aus Bonn.“

Gießen

89.200 Ein­wohner*innen,

ist seit 1607 Universitätsstadt. 1944 wurde die historische Stadt zu 75 Prozent zerstört. Neben Hochdeutsch und Hessisch spricht man hier auch Manisch, eine Rotwelschvariante, seit 2025 als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt.

Echte Helden wissen halt immer eine gute ­Antwort. Esther Geißlinger

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