: Weiterer Schlag gegen die ETA
Fast täglich werden Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation in Spanien oder Frankreich festgenommen/ Diskussionen über Ausstieg aus dem bewaffneten Kampf ■ Aus Madrid Antje Bauer
In einer Kneipe in Toulouse wurde am Sonntag Rafael Caride Simon festgenommen. Er trug eine Pistole, schoß aber nicht. Caride gilt als Planer des Autobombenattentats der baskischen Organisation ETA am 21.Juni 1987 im Kaufhaus Hipercor in Barcelona, der 21 Tote und 45 Verletzte forderte. Der Anschlag, den die ETA nachher selber kritisierte, kostete die Organisation – und vor allem ihren parlamentarischen Arm, die Gruppe Herri Batasuna – ein Großteil ihrer Sympathien unter katalanischen Nationalisten.
Der Galizier Caride, ehemaliges Mitglied der kommunistischen Arbeiterkommissionen, hatte sich nach seiner Emigration ins Baskenland der ETA angeschlossen und angeblich das „Kommando Barcelona“ mitgegründet, eines der aktivsten ETA-Mordkommandos. In der letzten Zeit soll Caride Kommandos aus Frankreich nach Spanien geschickt haben.
Die Festnahme gehört zu den Schlägen, die spanische und französische Polizei der ETA fast täglich verpassen. Seit im März vergangenen Jahres im französischen Bidart die ETA-Führung festgesetzt wurde, hat sich die Situation der Gruppe erheblich verschlechtert. In den Monaten danach waren weitere Etarras festgenommen worden, ein Sprengstoffversteck in Paris war aufgeflogen, die Polizei hatte ihre Razzien auf Sympathisanten um Herri Batasuna, kirchliche Kreise, Anwälte und Knastgruppen ausgeweitet. In den letzten zehn Tagen sind in Frankreich mehrere mutmaßliche Etarras und Mitarbeiter festgenommen worden, am 15. Februar entdeckte die französische Polizei in einem Landhaus eine Waffenfabrik der ETA. Die spanische Presse berichtet, Anfang dieses Monats hätten sich in Paris drei ETA-Führer getroffen, um Vorschläge zum Ausstieg aus dem bewaffneten Kampf auszuarbeiten – die Meldung wurde von den dreien in der Tageszeitung Egin dementiert. Fest steht, daß es unter den über 500 gefangenen Etarras gärt. Mehrere haben inzwischen Hafterleichterungen angenommen. Hardliner Juana Chaos warnte in einem im Knast mitgeschnittenen Gespräch mit zwei Anwälten Anfang Februar, der harte Kern der Gefangenen, die sich der Reintegration verweigern, könne bald in die Minderheit geraten.Kommentar Seite10
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