Weißhandgibbons in der Bremer Botanika

Nur gucken, nicht anfassen

In der Bremer Botanika leben seit einiger Zeit fünf Weißhandgibbons. Sie sollen vor allem Kindern einen Zugang zu exotischen Tier- und Pflanzenarten vermitteln

Hinter Gittern: Die Gibbons in der Bremer Botanika Foto: Carolina Meyer-Schilf

BREMEN taz | Die Weißhandgibbons schwingen sich mit einem irrwitzigen Tempo durch ihr neues Gehege. Elegant und irgendwie lässig sieht das aus, wie sie scheinbar ohne Ziel und nur aus Freude an der Bewegung von Strebe zu Strebe schwingen, gelegentlich kurz verharren, um dann erneut Schwung zu holen für die nächste Runde.

Fünf dieser Affen leben seit September in der Botanika, einem Naturerlebniszentrum im Rhododendronpark. Auf insgesamt 5.000 Quadratmetern können sich die BesucherInnen dort über exotische Pflanzen, Schmetterlinge, Insekten und Koi-Karpfen informieren, auch ein interaktives Erlebniszentrum gibt es.

Interaktiv geht es allerdings zumindest bei den Gibbons nicht zu: Aus Menschen- und vor allem aus Kindersicht ist rein gar nichts mit ihnen anzufangen. Mit den Gibbons ist nicht gut Kirschen essen, sie beißen und können einem sogar den Finger abreißen, solch eine Wucht entfalten sie, wenn sie beim Versuch, sie zu streicheln, plötzlich los spurten.

Streicheln ist für die Besucher daher tabu, die Tiere leben in einem engmaschigen Gehege mit Pufferzone zum Publikum. „Da muss ein Profi ran“, sagt auch die Botanika-Geschäftsführerin Petra Schäffer. Die Pflege der Tiere ist einigermaßen aufwendig, denn die Tiere vertragen sich untereinander nicht. Darum sind für die fünf Affen zwei voneinander getrennte Gehege notwendig.

Ihre eigentliche Heimat sind die südostasiatischen Regenwälder, wo sie weit über dem Boden in den Baumkronen leben. Die Affen können bis zu 65 Zentimeter groß werden und wiegen etwa fünf bis sieben Kilogramm. In der Botanika kümmern sich nun zwei affen-erfahrene Tierpfleger um die Gibbons.

Dass in dem Naturerlebniszentrum, dessen Schwerpunkt eher auf Pflanzen als auf Tieren liegt, überhaupt Gibbons zu besichtigen sind, ist einer Notsituation geschuldet: Die Tiere gehörten ursprünglich zu einem privaten Zoo, den der Betreiber eines Gartencenters in Bremen-Huchting über Jahrzehnte aufgebaut und gepflegt hatte. Als das Gartencenter altersbedingt und in Ermangelung eines Nachfolgers aufgelöst wurde, musste für die Gibbons eine neue Heimat her. Die Betreiber wandten sich an die Botanika-Geschäftsführung und baten sie, die Gibbons zu übernehmen.

Die Affen gelten als stark gefährdete Art und kommen in freier Natur fast nur noch in ausgewiesenen Schutzgebieten vor. Die Botanika, ohnehin spezialisiert auf eher exotische Pflanzen, bot sich aber auch aufgrund der räumlichen Nähe als Folgequartier für die Affen an. Da der Unterhalt für die Tiere im Botanika-Budget eigentlich nicht vorgesehen war, mussten die Beteiligten kreativ werden: Mit Hilfe vieler Freiwilliger und Sponsoren konnten die Gibbons schließlich einziehen.

Die eigentliche Heimat der Gibbons sind die südostasiatischen Regenwälder. Dort leben sie weit über dem Boden in den Baumkronen

Das Holz für die Gehege sponsorte ein Holzhändler, ein Tischler sägte die Bretter in Form und das Technische Hilfswerk baute daraus die provisorischen Gehege. Über Spenden sollen weitere 100.000 gesammelt werden – so viel kostet die Errichtung eines festen Affenhauses, in das die Gibbons möglichst schnell umziehen sollen.

Trotz aller Kosten und Umstände verspricht sich auch die Botanika etwas von den neuen Gibbons: „Pflanzen sind erstmal für Kinder langweilig“, sagt Geschäftsführerin Schäffer. Man erhoffe sich daher, dass die Tiere vor allem den Kindern helfen, einen Zugang zur Botanika zu finden. Denn auch wenn man die Tiere nicht streicheln kann – spannender als so manche Pflanze sind die agilen Affen allemal.

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