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WeiberWirtschaftsWunder

■ Fraueninitiative erhält Zuschlag für Gewerbehof

Berlin. Die Wirtschaftsweiber haben es geschafft. Noch steht an der Außenfassade der Gebäude in der Anklamer Straße 38 der Namenszug der Vorgänger, aber spätestens 1994 soll sich das ändern. Dann nämlich wird, läuft alles nach Plan, auf dem alten Fabrikgelände im Bezirk Mitte das erste Gründerinnenzentrum Deutschlands seine Pforten öffnen. Diesen „größten Erfolg der Frauenförderung“ hat die Genossenschaft „WeiberWirtschaft“ erzielt. Nach monatelangen Verhandlungen mit der Treuhand erhielten sie den Zuschlag für das Produktionsgelände. Anfang des Monats konnte der Kaufvertrag in Höhe von 12,3 Millionen DM unterzeichnet werden.

Am Wochenende wurde mit einem Empfang im zukünftigen Gründerinnenzentrum gefeiert. Die Besucherinnen zeigten sich von Idee und Bau begeistert. 5.000 Quadratmeter Nutzfläche für etwa dreißig bis vierzig Unternehmen stehen den Frauen der WeiberWirtschaft nun für ihre Pläne zur Verfügung. Eine bunte Branchenpalette soll zusammengestellt werden. „Spannend“, so Ute Schlegelmilch, eine der drei Vorstandsfrauen, soll es werden. Über 50 Bewerbungen liegen bereits vor. Rechtsanwältinnenbüros, Ateliers und Handwerkerinnenbetriebe stehen ebenso auf der Liste wie ein Frisör und ein Dessous-Geschäft für „die starke Dame“. Abgerundet wird das ganze durch Kindergarten, Kantine und Gesundheitsetage.

Steuerfachfrauen und Existenzgründungsberaterinnen werden den zukünftigen Unternehmerinnen zur Seite stehen. Hinter jeder dritten Existenzgründung steht inzwischen eine Frau, aber nicht wenige geben nach kurzer Zeit wieder auf. Das Zentrum will genau diesem Trend entgegenwirken.

Durch gemeinsame Werbung und Möglichkeiten der Weiterbildung, einem angepeilten Quadratmeterpreis von 30 DM, unbefristeten Mietverträgen und einer gesicherten Kinderbetreuung sollen die Frauen unterstützt werden. Betrachtet man die Gebäude, ist das jedoch noch Zukunftsmusik. Es muß kräftig investiert werden. Mit 26 Millionen DM Aufwendung für Sanierung und Umbau – inclusive des Kaufpreises – rechnen die Genossenschaftlerinnen. So optimistisch die Planung, so dünn die Finanzdecke. Über 350.000 DM Eigenkapital verfügt die WeiberWirtschaft, Die Zuschüsse in Millionenhöhe von den Senatsverwaltungen Bau und Finanzen reichen nicht. Die Frauen hoffen auf neue Genossenschaftlerinnen, die Anteile ab 200 DM erwerben, und private Geldgeber – auch durchaus männlichen Geschlechts. Ansonsten soll die „WeiberWirtschaft“ fest in Frauenhand bleiben.

Daß so viel geballte Frauen-Power die Phantasie manches Mannsbilds schnell an seine Grenzen führt, stellen die Wirtschaftsweiber immer wieder fest. „Nicht selten“, so bemerkt Ute Schlegelmilch trocken, „halten Männer uns für 'ne Kneipe.“ Tanja Stidinger

Anschrift „WeiberWirtschaft e.G.“ Hermannstraße 229, 1000 Berlin 44 030/6229040.

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