■ Bonn-apart: Was tun in Bosnien?
Bonn (taz) – Nein, er ist nicht tot, der Streit zwischen Fundis und Realos. In etwas verwandelter Form lebt er weiter, wenn auch an einer völlig neuen Front, die dieses Mal wirklich eine Front ist. Es geht, natürlich, um Bosnien: Waffen schicken, oder nur Carepakete? Soldaten gegen die Serben oder nur Sanktionen?
Am Donnerstag trugen diesen Streit die grüne Europaabgeordnete Eva Quistorp (Fundi) und die SPD-Präsidiumsfrau Heidemarie Wieczorek-Zeul (Realo) untereinander aus. Die SPD hatte zum öffentlichen Disput ins Ollenhauer- Haus der SPD geladen. Die „rote Eva“ und die „rote Heidi“, wie Quistorp sich und ihre alte Bekannte aus friedensbewegteren Zeiten vorstellte, spielten ihre Rollen vorzüglich.
Die Grüne Quistorp beklagte die Hilflosigkeit von EG und KSZE gegenüber dem „großserbischen Aggressor“ und erneuerte ihr Plädoyer für ein militärisches Eingreifen – wenn auch unterhalb der Schwelle von Kampfeinsätzen. Wieczorek-Zeul hingegen varriierte das alte Realo-Argument: Bedenke die Folgen. „Jede militärische Intervention würde die Lager nicht nur nicht befreien“, behauptete sie, „sondern die militärische Lage verschärfen und die Zahl der Opfer noch erhöhen.“ Eine Einschätzung, über die sich streiten ließe. Doch Quistorp ging – ganz Fundi – auf dieses Argument bis zum Ende überhaupt nicht ein.
Die Bonner Fundis von heute sind jedoch nicht nur unter den Grünen, sondern auch – ganz neu! – unter den CDUlern zu finden. Auch sie können es einfach nicht länger ertragen, tatenlos zuzusehen. (Apropos Stefan Schwarz: Haben wir je verraten, daß der Anführer der Bosnien-Verteidiger in der CDU und Held aller Talkshows die taz besonders schätzt und regelmäßig liest?) „Das sind Gesinnungsethiker!“ schimpfte dieser Tage ein Realo wie Werner Hoyer, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP, über seine Koalitionspartner.
War es doch die starre Haltung der Union, wegen der der FDP im Awacs-Streit die Klage gegen die eigene Bundesregierung als einziger Ausweg erschien. Die Frage deutscher Militäreinsätze, klagte Hoyer, sei in der Union wegen Bosnien unerträglich „emotionalisiert“. Die Quizfrage zum Schluß läßt sich damit rasch beantworten: Die Jutta Ditfurth von heute? Natürlich heißt sie Wolfgang Schäuble. H.-M. Tillack
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