piwik no script img

Wahlkampf mit allen MittelnBerliner Zähne

In Mariendorf und Tempelhof-Ost steht das Thema Verkehrspolitik hoch im Kurs. Chaos gibt es dort auf den Straßen genug.

I n Berlin wird bald gewählt, die Stadt ist bereits wunderbar drapiert mit Parteiplakaten. CDU-Kandidat Roman Simon legt noch einen drauf, nimmt sich ein gutes Beispiel an seinem Bundesparteivorsitzenden und weist das Wahlvolk zurecht. Dem Abgeordneten für Mariendorf und Tempelhof-Ost sind dessen Zähne nämlich nicht gut genug in Schuss – Gesundheitsreform, you know. In unserem Briefkasten finden wir eine Zahnbürste in einer kleinen Schachtel. „Zähne putzen nicht vergessen. Wählen auch nicht.“ Wenn das keine ZahnschMERZen gibt!

Eine längere Bedienungsanleitung ist auch dabei. Uns stehe in Berlin eine Richtungswahl bevor, schreibt Simon. Dort heißt es unter anderem: „Die Anti-Auto-Politik haben wir beendet.“ Dauerstau und Verkehrschaos, wie es die Grünen planten, seien damit passé. Nun versinkt Tempelhof auch ohne Grüne im Verkehrschaos, Fahrradwege sind dünner gesät als im S-Bahn-Ring, die vom letzten Senat eingerichteten Tempo-30-Zonen wurden rückabgewickelt. Das hat viel Geld gekostet. Wahrscheinlich ist die nächste Regierung wieder links, dann werden sie wieder eingerichtet. Tempo-50- oder -30-Schilder, schlug neulich jemand vor, sollte man nur noch doppelseitig aufstellen: Beim nächsten Regierungswechsel dreht man sie dann einfach um, das wäre billiger. Übrigens ist seit April ein Zugang zum U-Bahnhof Westphalweg in Mariendorf gesperrt. Der Grund: Ein Auto ist in die Treppe reingebrettert, nun ist ein Stück Geländer weg. Die Reparatur war für Juli geplant. Die BVG hat getan, was sie am besten kann: Kurz vor dem Termin für die Reparatur einen neuen Zettel aufgehängt mit neuem Termin im Oktober.

Anrufe des Autors in der Politik brachten ausgebissene Zähne: Beim grünen Bürgermeister ging keiner ans Telefon, bei der SPD hieß es immerhin: „Na ja, wir können ma nachfrag’n, was da los is.“

Bisher leider nix. Roman Simon, Verkehrsexperte – übernehmen Sie! Ich putz’ mir die restlichen Zähne, versprochen!

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jürgen Kiontke

Jürgen Kiontke

Jürgen Kiontke ist freier Journalist.
Mehr zum Thema

0 Kommentare