: Waffenschieber gedeckt
Thatcher-Regierung war über Export der Superhaubitze an Irak informiert / „U-Boot-Skandal“ auf englische Art? ■ Aus dem Empire R.Sotscheck
Die britische Regierung wußte bereits seit 1988, daß die angeblich für ein erdölchemisches Projekt im Irak bestimmten Stahlrohre Teil einer „Superkanone“ waren, so der der Tory -Abgeordnete und Vize-Vorsitzende der Partei Sir Hal Miller. Er behauptete, seinen Verdacht damals sowohl dem Industrie und Verteidigungsministerium, als auch einer „dritten Organisation“ - vermutlich dem Geheimdienst MI 6 übermittelt zu haben. Dennoch erhielten die britischen Rüstungsfirmen Sheffield Forgemasters und Walter Somers Ltd. grünes Licht für den Auftrag.
Seitdem der britische Zoll vor einer Woche die 40 Rohre im Teesport-Hafen von Middlesbrough beschlagnahmte, hat die Regierung versucht die Affäre herunterzuspielen. Indizien und Aussagen der beteiligten Firmen deuten darauf hin, daß die Thatcher-Regierung das Waffenembargo umgehen wollte. Industrieminister Nicholas Ridley mußte am Mittwoch zugeben, daß es sich bei Stahlrohren tatsächlich um Geschütze handelt. Mit der noch unerpobten Mammuthaubitze können theoretisch sowohl Erdsatelliten als auch Gas- und Atomgranaten abgefeuert werden. Ridley behauptete jedoch weiterhin, die britischen Firmen wurden von den Irakern hereingelegt.
Der Auftrag für die Stahlrohre kam von SRC in Brüssel, der Firma des Geschützkonstrukteurs und irakischen Geschäftspartners Gerald Bull, der im März ermordet wurde. 44 Rohre sind bereits an den Irak geliefert worden. Für weitere Geschützteile - eine Zielvorrichtung und eine Hydraulik - lagen bereits Aufträge bei zwei britschen Firmen vor. „Astra“ gab am Mittwoch bekannt, daß ihre belgische Tochter PRB im September 1989 für einen „ungewöhnlichen Antriebsmechanismus“ großkalibriger Geschosse erhalten habe. Das Verteidigungsministerium sei damals davon unterrichtet worden, sagte ein Firmensprecher.
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