Vorwurf rechtsextremer Terrorpläne: Razzien beim „Harten Kern“

In Chats sollen vier Rechtsextreme über einen Umsturz sinniert haben, nun wurden sie durchsucht. Sie standen in Kontakt zur berüchtigten „Gruppe S.“.

Der Grillplatz Hummelgautsche in Baden-Württemberg

Hier traf sich die Rechtsterrortruppe „Gruppe S.“, Marion G. war dabei: die Hummelgautsche Foto: Gabriel Habermann, ZVW

BERLIN taz | Das Quartett war nah dran an der unter Rechtsterrorverdacht stehenden „Gruppe S.“, stand teils mit Mitgliedern in Kontakt oder traf diese direkt. Nun ließ die Bundesanwaltschaft am Donnerstag die vier Rechtsextremen durchsuchen. Der Vorwurf: Sie hätten sich zu einer eigenen Rechtsterrorgruppe zusammengeschlossen, namens „Der harte Kern“.

Die Durchsuchungen fanden in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Niedersachsen statt. Festnahmen gab es keine. Der Spiegel berichtete zuerst.

Eine der Betroffenen ist nach taz-Informationen die Bayerin Marion G., dazu kommen drei Männer. Die 56-jährige Frisörin, die sich früher auch an den Gelbwesten-Protesten in Bayern beteiligte, soll vor gut zwei Jahren eine Telegramgruppe namens „Der harte Kern“ gegründet haben, zu der offenbar auch die anderen Durchsuchten gehörten.

In der Gruppe war der Ton brachial. Geätzt wurde über Migranten und Geflüchtete, man müsse aktiv werden und Widerstand leisten. Sinniert wurde über einen Umsturz. Nach taz-Informationen trafen sich einige Mitglieder der Gruppe im September 2019 auch real in einem Biergarten bei Heilbronn (Baden-Württemberg).

Prozess gegen „Gruppe S.“ seit April

Marion G. nahm nach taz-Informationen kurz darauf auch an einem ersten Treffen der „Gruppe S.“ teil, im September 2019 auf dem Grillplatz Hummelgautsche in Baden-Württemberg. Ein späteres Treffen, bei dem die „Gruppe S“ konkretere Anschlagspläne auf Moscheen und Waffenbeschaffungen diskutiert haben soll, besuchte Marion G. nicht mehr. Sie soll aber im Chatkontakt mit deren Gruppenanführer Werner S. gestanden haben, einem bayrischen Rechtsextremisten und Trödelhändler.

Die Bundesanwaltschaft ermittelte bereits seit Längerem gegen das jetzt durchsuchte Quartett. Mit den Razzien hofft sie offenbar, auf weitere Beweise für den Terrorismusvorwurf zu stoßen. Dass keine Festnahmen erfolgten, deutet darauf hin, dass die Beweislage bisher überschaubar ist.

Die „Gruppe S.“, benannt nach ihrem Anführer Werner S., steht bereits seit Mitte April vor Gericht. Angeklagt sind 12 Männer, die neben Anschlägen auf Moscheen auch Angriffe auf die Grünen-Politiker Robert Habeck und Anton Hofreiter geplant haben sollen, um so einen Bürgerkrieg anzuzetteln. Die Angeklagten entstammen zumeist rechtsextremen Bürgerwehrgruppierungen und wurden von einem Informanten des LKA verraten.

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Hier erfährst du mehr

Rechtsextreme Terroranschläge haben Tradition in Deutschland.

■ Beim Oktoberfest-Attentat im Jahr 1980 starben 13 Menschen in München.

■ Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) um Beate Zschäpe verübte bis 2011 zehn Morde und drei Anschläge.

■ Als Rechtsterroristen verurteilt wurde zuletzt die sächsische „Gruppe Freital“, ebenso die „Oldschool Society“ und die Gruppe „Revolution Chemnitz“.

■ Gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. wird wegen Rechtsterrorverdachts ermittelt.

■ Ein Attentäter erschoss in München im Jahr 2016 auch aus rassistischen Gründen neun Menschen.

■ Der CDU-Politiker Walter Lübcke wurde 2019 getötet. Der Rechtsextremist Stephan Ernst gilt als dringend tatverdächtig.

■ In die Synagoge in Halle versuchte Stephan B. am 9. Oktober 2019 zu stürmen und ermordete zwei Menschen.

■ In Hanau erschoss ein Mann am 19. Februar 2020 in Shisha-Bars neun Menschen und dann seine Mutter und sich selbst. Er hinterließ rassistische Pamphlete.

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