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■ Film: „George Grosz in Amerika“

1932, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, war Grosz nach New York gekommen, aber nicht als Exilant: Er lehrte an der Art Students League, hatte eine eigene Malschule mit riesigem Atelier am Central Park, besucht hauptsächlich von SchülerInnen der upper class. Er war 39 Jahre alt, fühlte sich ziemlich arriviert, fuhr ein eigenes Auto und gestand freimütig: „Hier gilt nur, wieviel Geld du hast. Was du malst, ist eigentlich egal.“

Dem amerikanischen Weg des maliziösten Porträtisten der Nachkriegszeit gehen Norbert Bunge und Christine Fischer-Defoy in ihrem Film-Porträt nach: „Schön ist's im Labyrinth – George Grosz in Amerika“. Mit Bildern und Texten von George Grosz, Interviews mit seinen Söhnen Peter und Marty, mit Zeitzeugen, Archivmaterial und Impressionen von heute collagieren sie ein Bild des Künstlers, der heute 100 Jahre alt geworden wäre.

Grosz hatte nach seiner Auswanderung die Anpassung an den amerikanischen Lebensstil zum Exzeß getrieben: „Ich bin in Amerika ein Konformist geworden. Ich bin zwar derselbe, aber in einer sonderbar kafkaschen Art verwandelt.“ Zu einem Foto, auf dem er in den Häuserschluchten Manhattans steht, zitiert der Film: „Ich ließ all den Haß, den ich in mir spürte, in Europa zurück.“ Grosz verfiel der Metropole, den Wolkenkratzern, den Menschen. New York, einzige Stadt, alles andere Proletendorf.

In Amerika versucht er mit einer neuen Bildsprache erneut die Anerkennung zu gewinnen, die er in Deutschland genossen hatte. Sein Vorbild ist der Illustrator Norman Rockwell, der die heile amerikanische Alltagswelt in gedämpften Farben beschreibt und ungeteilte Zuneigung und Widerhall in der amerikanischen Öffentlichkeit findet. Vom Versagen der Linken gegenüber Hitler und dem Stalinismus schwer enttäuscht, wendet sich der einst engagierte kommunistische Künstler George Grosz endgültig von der politischen Karikatur ab. „Er verwandelt sich in einen Yankee“, schrieb sein Freund Hans Sahl in seinen Erinnerungen.

Die heile Welt seiner amerikanischen Existenz, immerhin rund die Hälfte seines produktiven künstlerischen Lebens, ist auf mehrfache Weise Fassade. Er säuft, besucht deutsche Heimatfilme und weint hinterher auf der Straße. Er wird depressiv, aggressiv, liegt tagelang im Bett, raucht. Er malt bleiche Gerippe, Abgründe. „Weh dem, der keine Heimat hat. Hast Du auch so das Gefühl, in einen absurden Zeitabschnitt heineingezogen zu sein?“ schreibt er an einen Freund. Der Entschluß, 1959 wieder in Berlin Boden zu fassen, kommt dem Eingeständnis einer Niederlage gleich, Rückkehr an einen Ort einstigen Ruhms. Am 6. Juli 1959 starb Grosz in einem Treppenhaus in der Carmerstraße. Werner Nowak

„Schön ist's im Labyrinth – George Grosz in Amerika“: Babylon: heute 20.30, morgen 18, Mittwoch 22 Uhr; Filmbühne am Steinplatz: 29.7. bis 11.8. täglich 18.30; Filmmuseum Potsdam: morgen 19.30, Mittwoch 21.15 Uhr; Eiszeit: 29.7. bis 4.8. täglich 19.30 Uhr.

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