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Vorschlag

■ Barbet Schroeders S/M-Film „Maitresse“ im Eiszeit

Von den diversen Beiträgen, die das Eiszeit-Kino im Rahmen seiner S/M-Reihe zeigt, ist Barbet Schroeders „Maitresse“ wohl der mit Abstand intelligenteste. Während zum Beispiel „Der Nachtportier“ versucht, S/M als das Kerngerüst des Nationalsozialismus zu präsentieren, und damit sozusagen das Pferd von hinten aufzäumt, beschreibt „Maitresse“, wie S/M-Inszenierungen das Souterrain des Lebens einnehmen, aber eben nicht mehr als das.

Gerard Depardieu, in schönster siebziger Jahre-Kluft, trudelt auf seinem Knattermofa in einer französischen Kleinstadt ein. Habenichts, der er ist, versucht er sich mit seinem Freund als Vertreter für hübsche Kunstbände – aber die Bürger schlagen ihren Rembrandts die Tür vor der Nase zu. Der weniger skrupulöse Freund sucht die Hinterhöfe nach verlassenen Wohnungen ab, und so landen sie bei einer Dame mit Souterrain.

Im Dunkeln tasten sie sich an Lederkostümen, Peitschen, Eisernen Jungfrauen, Streckbänken und geknüpften Schlingen entlang, bis ein zähnefletschender Hund sie zur Salzsäule erstarren läßt. Gebannt beobachten sie, wie auf der automatischen Treppe die Frau, die sie nachmittags noch als verzweifelte Hausfrau erlebten, als gestiefelte Domina zu ihnen hinabsteigt.

Dankenswerterweise verzichtet der Film gänzlich auf den Blödsinn von der geheimnisumwitterten Frau, sondern zeigt die Anstrengungen der Inszenierung. Bevor sie in ihren Folterkeller steigt, um Geschäftsleute und Bäckermeister zu strangulieren, schminkt sie sich, setzt kleopatrahafte Perücken und zwängt sich in atmungsfeindliche Lederkorsetts. Doppelte Brechung: Die Schauspielerin Bulle Ogier spielt die Prostituierte A., die für ihren Lebensunterhalt die grausame Herrscherin spielt.

An Wochenenden fahren die beiden, Ariana und Philippe, die ein Liebespaar geworden sind, gemeinsam zu besseren Herrschaften aufs Land, die ihre Dienerschaft entlassen haben, um selbst Diener zu spielen. Als Depardieu alias Philippe das Spiel am Montagmorgen fortsetzen will, erntet er Hohngelächter: Der wirkliche Diener ist zurückgekehrt, der Herr wieder der Herr, die Welt hat uns wieder.

Ganz klar wird, ohne jede Gotik, die von Ackeren oder Ottinger hier eingefügt hätten, daß die grausame Frau bis ins letzte Detail eine Komposition ihrer Sklaven ist. Eine kurze Sekunde lang fürchtet man zum Schluß, die Sache würde im Liebestod enden als der einzigen Möglichkeit, kurz glücklich zu sein. Aber da lacht uns der Franzos' eins. mn

„Maitresse“ noch bis zum 4.8. tägl. um 21.30 im Eiszeit-Kino

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