■ Vorschlag: Melvins, Schweisser und Twenty Ton Fly pressen Gitarren im Loft
Müßig, sich über die Unterschiede zwischen Melvins und Schweisser Gedanken zu machen. Sinnvoller vielleicht, zu überlegen, wie man das zusammen aushalten soll, denn eine Annäherung der Bands läßt sich vielleicht auf den kleinen gemeinsamen Nenner setzen: Gitarren in repressiver passiv-aggressiveness. Erst zurückhalten, dann eine Gerade in den Solarplexus.
Vielleicht kann man sich an Triebsimulationsstrukturanalysen halten und sich fragen, warum eine Gruppe von drei Männern (Melvins), die sich bislang mit höchst komplexen musikalischen Verschlingungen und Verknotungen und deren Auflösungen beschäftigten, warum die sich mit welchen zusammentun, deren libidinöse Produktionskraft eindeutig unaufregend ist: linear, straight und so schnell wie möglich nach oben, Eruption und – nächstes Stück. Ob sie (Schweisser) sich dabei in ihren Texten über die Armut in Indien wundern oder ihre Liebe als Monster beschreiben, egal.
Selbst, wenn für die Melvins Liebe ebenfalls ein Monster wäre, dann würden sie uns vielleicht vier Alben oder 15 Singles mit Variationen zum Thema anbieten. Nicht, weil sie sich nicht festlegen können, sondern weil Monster einfach zu vielschichtig ist, um mit der Wucht der tausend Gitarren nach vorn gepreßt zu werden. Nicht, daß Melvins nicht die Meister im Pressen mit Gitarren wären. Aber sie sind es eben nicht nur, sie kennen, wie auf „Honkey“, die düsteren Sphären-Electronic-TripHop-Höhlen. Dort hinein stellen sie dann etwa Kate Bjielland von Babes in Toyland. Danach legen sie ein Gitarrenbrett auf die CD, auf ihre satanische Platte, die mit dem Titel „They all must be slaughtered“ beginnt. Diesmal ist nicht ihr Plattencover, sondern das Tourplakat Schweisser-Melvins von Frank Kotzik konzipiert, und nicht nur der fliegende Hase gibt Auskunft darüber, daß es sich hier nicht um die einheimische Rammstein-Variante von Gitarrenfickern dreht. In den USA sind Melvins dann auch mit Helmet getourt, was prima paßt, weil sich beide Mühe geben. Und weil sich dann besonders viel Mühe gegeben wird, wie man das, was da gepreßt und verschnürt an lauter Gitarrenmusik unter einem schlummert, denn nun am sinnvollsten kanalisieren könnte. Daß sie sich in dieser Falle zwischen Twenty Ton Fly und Schweisser befinden, das ist wirklich traurig. Annette Weber
20.30 Uhr im Loft, Am Nollendorfplatz 5, Schöneberg
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