: Vorbildliche Roboter
Im „Produktionstechnischen Zentrum“ der TU Berlin haben neun Fachbereiche in Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste eine Demontagefabrik für alte Waschmaschinen entwickelt
von CHRISTOPH RASCH
Wahre Schätze an Ersatzteilen schlummern in ausgedienten Waschmaschinen. Doch wie rankommen, wenn sie hinter verrosteten Schraubsystemen oder verkanteten Verkleidungen versteckt sind? Oder schlicht zu schwer? Waschmaschinen zum Beispiel enthalten 40 bis 60 Kilogramm schwere Schwingsysteme – gewichtige Gründe gegen eine anstrengende und Zeit raubende Demontage per Hand. Die Alternative bisher: die Altgeräte durch den Schredder zu jagen, potenzielle Ersatzteile lieber zu Schrottgranulat zu machen. Denn auch aus noch brauchbaren Teilen wie Motoren, Pumpen oder Magnetventilen wurde Kleinschrott gemacht, weil bislang die geeigneten Werkzeuge und Anlagen für eine automatisierte Demontage fehlten. Doch die Roboter, die den alten Waschmaschinen zu Leibe rücken und sie fachgerecht zerlegen – die gibt es schon. Sie werkeln am Moabiter Spreebogen.
Dort, im „Produktionstechnischen Zentrum“ der Technischen Universität, entwickeln Wissenschaftler aus 9 TU-Fachgebieten und der Hochschule der Künste gemeinsam eine „Demontagefabrik“. Die Pilotanlage ist ein in Europa einmaliges Projekt und wird bis mindestens Ende 2003 mit jährlich 3 Millionen Mark von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die beteiligten 9 Professoren und 40 wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeiter können mittlerweile ein funktionsfähiges Pilot-Demontagesystem vorweisen. „Wir können damit eine Waschmaschine komplett zerlegen, und das teilautomatisiert“, sagt Diplomingenieur Bahadir Basdere (27), Geschäftsführer des eigens geschaffenen Sonderforschungsbereiches 281.
In der Versuchsanlage dauert die Komplettdemontage einer Waschmaschine etwa 20 Minuten. Das Ziel: Zukünftig soll die Anlage – teilautomatisiert – unhandliche Haushaltsgeräte aller Art sowie Fahrzeugmotoren zerlegen können. Zum einen, um deren wertvolle Komponenten wiederverwenden zu können. „Auf dem Gebrauchtteile-Sektor ist der Bedarf dafür da“, sagt Basdere. Und zum Zweiten, um giftige Sondermüll-Bestandteile herauszutrennen und fachgerecht zu entsorgen. Ein breites Produktspektrum bearbeiten zu können, setzt eine große Flexibilität voraus. Ein einheitliches System ermöglicht den Robotern Werkzeugwechsel, so dass die untereinander vernetzten Maschinen mit allen Werkzeugen arbeiten können.
Einzelne technische Komponenten der Demontagefabrik stoßen schon jetzt in der Industrie auf reges Interesse, berichtet Basdere. Auf das „Entschraub“-Werkzeug etwa, in Zusammenarbeit mit einem mittelständischen Unternehmen entstanden, sind die TU-Wissenschaftler besonders stolz. Denn dieses ist in der Lage, „sich an Schraubverbindungen aller Art anzupassen und diese zu lösen.“ Kreuz- und Schlitzschraubköpfe, runde, sechseckige, verrostete, versenkte und beschädigte Schrauben würden diesem fast serienreifen Werkzeug keine Probleme bereiten, heißt es in einer Selbstdarstellung. Das Entschraub-Werkzeug stehe „kurz vor der Serienreife“, sagt Basdere: „Und viele Unternehmen interessieren sich schon dafür.“
Auch andere Komponenten der Anlage scheinen zukunftsträchtig, wie die rückstandsarme Trockeneis-Reinigung, der Einsatz von Plasmastrahlen oder der so genannte Spann-Igel-Greifer, der ein Bauteil greifen und halten kann, auch wenn es bereits vollkommen verbeult oder beschädigt ist.
Fernziel des Projektes ist die Entwicklung „demontagegerechter“ Waschmaschinen in den nächsten drei Jahren. Aber haben die Produkthersteller daran überhaupt ein Interesse? In ihrer Gesamtheit zieht die Anlage bislang noch keine Kaufinteressenten an. Die Privatwirtschaft wartet ab, denn noch wird weiter entwickelt und am Konzept gefeilt. Doch, sagt Basdere: „Die Hersteller werden mehr Interesse zeigen, wenn sich die Gesetze ändern“, etwa neue Elektroschrott- oder Altautoverordnungen in Kraft treten.
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