Vor Parlamentswahl in England: Lobby-Skandal weitet sich aus
In Großbritannien sollen weitere Ex-Minister der Labour-Partei Einflussnahme gegen Bezahlung angeboten haben. Den Torys wird das bei der anstehenden Wahl wohl nützen.
LONDON afp | Wenige Wochen vor der britischen Parlamentswahl setzt der sogenannte Lobbyskandal der Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown weiter zu: Wie die Zeitung Sunday Times unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit dem Fernsehsender Channel 4 berichtete, sollen zwei weitere Exminister politische Einflussnahme gegen Bezahlung angeboten haben. Labour hatte erst am Dienstag drei frühere Minister wegen des Skandals vorübergehend ausgeschlossen.
Die neuen Korruptionsvorwürfe beziehen sich auf den früheren Verteidigungsminister Adam Ingram und den Exsportminister Richard Carbon. Dem Bericht zufolge verlangte Ingram eine Tagesgage von 1.500 Pfund (1.670 Euro), wenn er die Kontakte von anderen Exministern anzapft. Carbon bot demnach an, sich für 2.500 Pfund einen Adelstitel zu verschaffen, um so besseren Zugang zu Informationen aus dem Parlament zu erlangen. Carbons Anwalt wies den Vorwurf zurück. Sein Mandant habe seine Erfahrung und Kontakte nicht angeboten.
Erst am Dienstag hatte die Labour-Partei drei frühere Minister wegen des Skandals vorübergehend ausgeschlossen. Der frühere Verkehrsminister Stephen Byers, Exverteidigungsminister Geoff Hoon und die frühere Gesundheitsministerin Patricia Hewitt waren laut Channel 4 verdeckt dabei gefilmt worden, wie sie anboten, ihren politischen Einfluss gegen Zahlung von Geld in einer Höhe von bis zu 5.000 Pfund geltend zu machen.
In Großbritannien stehen demnächst Parlamentswahlen an. Sie müssen spätestens Anfang Juni stattfinden, werden aber bereits für den 6. Mai erwartet. Die Labour-Partei lag in jüngsten Umfragen bis zu 8 Prozentpunkte hinter den oppositionellen Konservativen.
Die auflagenstärkste Sonntagszeitung News of the World gab bereits eine Wahlempfehlung für die Torys ab. Das Land "schreit nach einem Wandel", schrieb das Blatt, das seit 1997 die Labour-Partei unterstützt hat.
Umverteilung gegen rechts
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