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Von der Idee eines besseren Internets Was wäre, wenn es keine Paywalls mehr gäbe?

Ohne Bezahlschranken wäre die Medienbranche ein besserer Ort – oder? Ein Gedankenexperiment über Journalismus als Gemeingut.

taz zahl ich | Blicken wir zurück ins Jahr 2012. Das erste Jahr des solidarischen Bezahlmodells taz zahl ich war ein Erfolg. Überraschend viele Menschen zahlen freiwillige Beiträge, damit alle Inhalte für alle zugänglich bleiben.

Das Bezahlmodell der taz ist eine Antwort auf eine Krise, die die Zeitungsbranche bis heute prägt: Abonnements sinken, die Printauflagen werden immer weniger und führen zu geringeren Anzeigenerlösen. Die öffentliche Kommunikation verlagert sich zunehmend ins Internet, soziale Netzwerke verschieben das Zentrum für den Informationsaustausch, geprägt von immer schnelleren Feedbackschleifen und Algorithmen.

Wer berichtet am schnellsten? Wer landet ganz oben in der Google-Suche? Wer passt seine Inhalte am besten an die Logik digitaler Plattformen an? Und vor allem: Wer soll das alles bezahlen? In unserer Realität bleibt die Paywahl eine Ausnahme. Die meisten Medienhäuser setzen auf Bezahlschranken. Aber stellen wir uns vor, es wäre anders gekommen. Was, wenn sich nicht nur die taz, sondern die gesamte Branche gegen Paywalls entschieden hätte?

Was wäre gewesen, wenn ...?

In dieser Utopie bleibt die taz nicht allein. Spulen wir zurück ins Jahr 2012. Andere Verlage beobachten das Experiment des freiwilligen Zahlens, einige experimentieren bereits mit solidarischen Finanzierungsmodellen. In den kommenden Jahren entstehen vielfältige Angebote und Strukturen für eine nachhaltige Finanzierung von Onlinejournalismus.

Manche Medienhäuser entscheiden sich, wie die taz, für einen freiwilligen Ansatz, andere entwickeln Mitgliedschaftsmodelle, die neben dem Zugang zu Informationen zusätzliche Beteiligungsangebote schaffen. Wieder andere kombinieren klassische Abo-Modelle mit neuen Fair-Use-Abos und bieten unterschiedliche Preise für unterschiedliche Nutzungsgruppen. Alle vereint der Grundsatz: Journalismus ist für alle da.

Die Branche entscheidet sich bewusst gegen Bezahlschranken. „Trittbrettfahrer“ werden nicht als Risiko bemängelt, sondern als Realität und logischer Teil des Systems anerkannt. Das Problem der Paywalls liegt dabei weniger in der technischen Umsetzung als in der darin enthaltenen Logik: Auf den ersten Blick erscheint eine Bezahlschranke plausibel. Wer Inhalte nutzen möchte, zahlt. Journalismus gewinnt aber gerade dann an Bedeutung, wenn möglichst viele Menschen ihn nutzen können.

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Der Zugang zu Informationen ist keine einfache Ware, sondern Voraussetzung für Teilhabe an demokratischen Prozessen und gesellschaftliche Mitbestimmung. Ein Artikel verliert nicht an Wert, wenn viele Menschen ihn lesen, ganz im Gegenteil: Sein gesellschaftlicher Nutzen wächst. Wer Journalismus unterstützt, kauft kein Produkt, sondern beteiligt sich an der gemeinsamen Finanzierung einer öffentlichen Infrastruktur.

Le­se­r:in­nen werden nicht als Kundschaft verstanden, sondern als Mit­trä­ge­r:in­nen eines Systems. Niemand würde Bibliotheken kritisieren, weil viele Menschen dort Bücher lesen. Warum sollte es bei Nachrichten anders sein?

Journalismus als öffentliches Gut

Natürlich sind in dieser Utopie nicht alle Probleme lösbar. Auch in dieser Welt konkurrieren Medien um Sichtbarkeit. Große Häuser verfügen über mehr Ressourcen als kleine Redaktio­nen, Plattformen beeinflussen weiterhin den Nachrichtenkonsum, Desinformationen verschwinden nicht über Nacht.

Doch die Rahmenbedingungen ändern sich. Der Druck, jeden Artikel in ein Abo umzuwandeln, sinkt. Lokale Berichterstattung kann sich auf gemeinschaftliche Fonds verlassen, investigative Recherchen werden durch Genossenschaften und Stiftungen getragen. Wir schreiben nicht für Werbekunden oder Investoren, sondern für eine Gemeinschaft, die unsere Arbeit ermöglicht.

Zurück im Jetzt wissen wir: Die Branche entschied sich anders. Und doch existieren viele Elemente dieser erträumten Parallelwelt: taz zahl ich, Mediengenossenschaften, gemeinnützige Redaktionen und communityfinanzierte Projekte zeigen, dass Journalismus auch jenseits klassischer Marktlogiken finanziert werden kann. Die eigentliche Utopie besteht nicht darin, Journalismus kostenlos zu machen, sondern darin, ihn als öffentliches Gut zu begreifen.