piwik no script img

Vom Besetzer zum Besitzer

Gewerkschafts-Haus

Hartnäckigkeit zahlt sich aus, jedenfalls für die Göttinger BesetzerInnen: Fast ein Jahr lang hatten sie dort das ehemalige Gewerkschaftsgebäude des DGB umfunktioniert – nun dürfen sie es kaufen. Dass dieser Deal nach einer siebenmonatigen Verhandlung zustande kommt, ist ein Erfolg für alle Beteiligten.

Die HausbesetzerInnen der Gruppe „Our House OM10“. Sie hatten das leer stehende Objekt in der Oberen Maschstraße 10, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, wiederbelebt. Vor allem, um geflüchteten Menschen eine Unterkunft zu bieten. Anfangs hatten sie schlechte Karten: Wer ein Haus besetzt, kann von der Stadt kaum Unterstützung erwarten und erhält keinen legalen Status. Letzteres wird sich nun durch den Kauf ändern. Dadurch könnten sie wiederum auf eine Förderung hoffen.

Möglich wird das durch einen Kurswechsel der Gewerkschaft: Im Februar blockierte der DGB noch das Projekt, drohte den Besetzern sogar mit einer Räumung. Nun hat man eingelenkt. Nach harten Verhandlungsrunden zwar, aber immerhin. Die Verkaufssumme liegt sogar deutlich unter dem Marktpreis.

Ein Entgegenkommen, das Lob verdient. Mittlerweile kann sich die Gewerkschaft sogar auch als Sieger fühlen. Das für sie ohnehin nicht mehr nutzbare Gebäude fällt in die Hände würdiger NachfolgerInnen.

Vor allem aber hat die Stadt gewonnen. Sie kann über Jahre hinaus von dem Projekt profitieren. Denn das übernimmt letztlich die Aufgaben der öffentlichen Hand und leistet einen wichtigen Beitrag für das gemeinsame Zusammenleben. Zumal die Türen für alle offen stehen, die sich engagieren wollen.

Doch Grund zur vollkommenen Glückseligkeit besteht freilich erst, wenn auch die finanzielle Seite geklärt ist. Noch fehlen den ehemaligen BesetzerInnen rund zwei Drittel der benötigten Gelder für den Kauf. djo

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 30 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen