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Violetta Clean und ihre jüngste Schwester

■ In Berlin-Mitte eröffnete das erste Frauen-Sucht-Projekt in Brandenburg und Ostberlin / Violetta Clean praktiziert Therapie ohne Hierarchien und Sanktionen

Berlin. Die petrolfarbenen Teppichfliesen wurden noch in der Nacht vorher verlegt, auch der Tresen im Empfangsraum wurde gerade rechtzeitig fertig. Am Wochenende eröffnete „Stoff-Bruch“, das erste Frauen-Sucht-Projekt in Ostberlin und Brandenburg. 300 frischrenovierte Quadratmeter in einer ehemaligen Fabriketage gegenüber dem S-Bahnhof Hackescher Markt stehen für Beratungen, Therapien, Prävention und Nachsorge zur Verfügung.

„Wir werden uns in erster Linie mit Alkohol und Medikamentenmißbrauch auseinandersetzen“, kündigte Projektleiterin Carmen Walcker-Mayer an. Illegale Drogen seien im Osten nicht so präsent, da werde der Schwerpunkt auf der Prävention liegen. Das Projekt wendet sich an Frauen und Mädchen, die Suchtprobleme haben, suchtgefährdet sind oder mit süchtigen PartnerInnen zusammenleben. Da sexueller Mißbrauch eine häufige Ursache einer Suchtproblematik ist, ist eine enge Zusammenarbeit mit „Wildwasser“ geplant, deren Räume nebenan liegen.

Im Juni soll eine Kindertagesstätte für Kinder aus Suchtfamilien dazukommen. „Diese Kinder gehen mit ihrer Problematik in anderen Kitas unter“, sagte Erzieherin Marion Schneider. Hier sollen sie in einer kleinen Gruppe sich und ihren Körper kennenlernen, die Verhaltensweisen ihrer Eltern aufarbeiten und selbst den Umgang mit Süßigkeiten üben.

Die Versorgung wird das ebenfalls im Juni eröffnende drogenfreie Café „Seidenfaden“ übernehmen. Hier können sich Frauen während und nach ihrer Therapie in einem „cleanen“ Rahmen treffen, aber auch Musikveranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen besuchen. Etwa zehn Frauen, die ihre Therapie hinter sich haben, sollen auf Honorarbasis als Kellnerinnen eingestellt werden.

Doch das Projekt steht auf wackeligen Füßen. Von 26 beschäftigten Frauen sind 25 auf ABM-Basis eingestellt, 19 Stellen laufen im Juni aus. Jugendsenator Thomas Krüger (SPD) sagte dem Projekt zur Eröffnung seine Unterstützung zu. Für die Lebenskrisen von Frauen im Osten, die in besonderer Weise von Arbeitslosigkeit und Spannungen in den Familien betroffen seien, gebe es bislang keine geschlechtsspezifischen Angebote. Stoff-Bruch könne hier eine „Schrittmacherfunktion“ für die neuen Länder bekommen.

Stoff-Bruch ist das jüngste Projekt des „Vereins zur Hilfe suchtmittelabhängiger Frauen“, der im Westteil der Stadt zwei therapeutische Wohngemeinschaften, drei Nachsorge-WGs und das Café Extra-Dry betreibt. Als der Verein vor über zehn Jahren mit seiner Arbeit begann, hieß es in der Drogenarbeit noch, die Sucht mache alle gleich, auch die Geschlechter. „Wir sind damals angetreten mit einer anderen Konzeption, ohne Hierarchien, ohne Sanktionen“, sagte Geschäftsführerin Ulrike Kreyssig. Sucht sei ein, wenn auch mißlungener Versuch der Problembewältigung. Statt Anpassung und Unterordnung, die Frauen zur Genüge kennen, sollten sie bei der Entwicklung ihrer Stärken und der individuellen Gestaltung ihres Lebenswegs unterstützt werden.

Die älteste Wohngemeinschaft des Vereins, „Violetta Clean“, feierte ebenfalls am Wochenende ihren zehnten Geburtstag. In der ehemaligen Knef-Villa in Grunewald können acht Frauen wohnen, 125 wurden in den vergangenen zehn Jahren aufgenommen. „Keine Drogen“ und „keine Männer im Haus“ sind die einzigen festen Regeln. Violetta Clean setzt auf Eigenverantwortlichkeit, Transparenz und Beziehung. „Unser wichtigstes therapeutisches Konzept ist, im Alltag mit den Frauen zusammen zu leben und zu arbeiten“, sagt Gisela Böschen, die hier als Sozialwirtin arbeitet. Trotz der Unkenrufe, die das freizügige Konzept auslöste, gibt es nicht mehr Rückfälle als in anderen Therapien. Der geschlechtsspezifische Ansatz in der Drogenarbeit habe sogar Schule gemacht, sagte Kreyssig. Corinna Raupach

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