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Vietnam-Gift im Naturgebiet

Dioxinfund in Hamburg beunruhigt Anwohner

Das könnte zu heftigen Diskussionen führen, denn die Gefahren sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn am kommenden Dienstag die Hamburger Umweltbehörde die BewohnerInnen des Stadtteils Mümmelmannsberg auf einer öffentlichen Veranstaltung in der Stadtteilschule über die aktuellen Dioxinfunde im Naherholungsgebiet vor ihrer Haustür informiert, ist das Erregungspotenzial hoch. Und es ist berechtigt.

Um mehr als das 700-fache wurde in einer Probe der Grenzwert überschritten: 721 Mikrogramm pro Kilogramm Boden – als unbedenklich gelten Werte von weniger als einem Mikrogramm.„Es ist schlimmer als alles, was jemals in Hamburg gefunden wurde“, räumt der grüne Umweltsenator Jens ­Kerstan ein. „Wir stehen hier vor einem sehr, sehr schweren Umweltvergehen.“

Wie groß das Ausmaß der Vergiftung ist, will die Behörde bis Januar mit aufwendigen Untersuchungen ermitteln. Wer hat das hochgiftige Dioxin dort abgelagert, wie viel und wann, wie groß ist das verseuchte Gebiet, sind auch Pflanzen, Fische und Grundwasser in dem Naturschutzgebiet Boberger Niederung betroffen? Erst wenn das gesamte Ausmaß der Verseuchung bekannt sei, könnten die Gefahren für Mensch und Natur benannt werden, sagt der Senator

Und das wird für besorgte BürgerInnen natürlich unbefriedigend sein. Jahrelang waren sie im Boberger Badesee schwimmen, ihre Kinder haben dort im Sand und im Gras gespielt, Angler haben die Fische aus den beiden Angelteichen gegessen – ohne von der möglichen Gefahr zu wissen. Denn die ist erst jetzt bei einer Routinekontrolle bekannt geworden, eher zufällig, einen konkreten Verdacht gab es nicht.

Im Verdacht als Verursacher steht die Chemiefirma Boehringer aus dem rheinland-pfälzischen Ingelheim. Ihr Hamburger Werk Moorfleet, nur wenige Kilometer von der aktuellen Fundstelle entfernt, wurde 1984 wegen Verseuchung mit Dioxinen geschlossen, das Gelände seitdem für rund 160 Millionen Euro saniert. Boehringer war auch an der Produktion des ul­tragiftigen Dioxins 2,3,7,8-TCDD beteiligt.

Dieser Stoff verseuchte 1976 nach einem Werksunglück das italienische Dorf Seveso, dieser Stoff ist Bestandteil des Pflanzenkillers „Agent Orange“, mit dem die US-Armee im Vietnamkrieg das halbe Land entlaubte, um den Feind besser sehen zu können. Mehr als eine Million Vietnamesen leiden noch immer an den gesundheitlichen Spätfolgen, noch heute werden dort Kinder mit Missbildungen geboren. Sven-Michael Veit

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