Vier deutsche Soldaten in Afghanistan getötet: Der Tod wartet nicht nur in Kundus

Die Taliban haben sich zu dem tödlichen Raketenangriff auf deutsche Soldaten am Donnerstag in Baghlan bekannt. Verteidigungsminister Guttenberg verlängert seine Reise.

Die Bundeswehr gerät in Afghanistan verstärkt unter Beschuss. Bild: dpa

In Afghanistan sind vier weitere Bundeswehrsoldaten getötet worden. Fünf wurden teils schwer verwundet. Sie wurden in das Krankenhaus Mazar-i-Scharif geflogen.

Wie das Verteidigungsministerium erklärte, wurde eine Bundeswehr-Patrouille gegen 12 Uhr deutscher Zeit (14.30 Uhr Ortszeit) sechs Kilometer nördlich der Stadt Baghlan in der Provinz Baghlan vermutlich mit einer Rakete beschossen. Als ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam die einlaufenden Meldungen bestätigte, sagte er: "Das Gefecht läuft noch." Ob es tote Aufständische gebe, sei noch unklar.

Die Taliban bekannten sich per Telefon zum Angriff und nannten auch den exakten Ort. Die Zahl der in Afghanistan ums Leben gekommenen deutschen Soldaten hat sich nun auf 43 erhöht. 26 davon starben bei Anschlägen oder in Gefechten.

Baghlan liegt im Süden der Provinz Kundus in Nordafghanistan. Bislang eskalierte die Lage aus Sicht der Bundeswehr nur in einigen Distrikten in Kundus. Der besonders umkämpfte Distrikt Chardara liegt unmittelbar nördlich von dem Ort, an dem nun die Patrouille angegriffen wurde. Die Stadt Baghlan gilt als Taliban-Hochburg.

Aus Baghlan, in dessen Provinzhauptstadt Pul-e-Kumri sich ein ungarisches Lager befindet, wurden im März schwere Gefechte zwischen islamistischen Bürgerkriegsparteien gemeldet. Taliban-Kräfte und die islamistische Hezb-i-Islami des ehemaligen Ministerpräsidenten Gulbuddin Hekmatyar lieferten sich laut örtlichen Autoritäten einen Streit um die Vorherrschaft in dem Gebiet.

Die deutschen Militärausbilder sollen am Donnerstag dort in einem Eagle-Transportfahrzeug gemeinsam mit belgischen und afghanischen Soldaten unterwegs gewesen sein. Der Trupp habe seit Mittwoch in der Region zusammen mit der afghanischen Armee eine gemeinsame Anti-Terror-Aktion erfolgreich ausgeführt, hieß es. Der Eagle ist ein gepanzertes Kampffahrzeug, das speziell auf den Afghanistan-Einsatz zugeschnitten sein soll.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war seit Mittwoch in Nord-Afghanistan. Er erfuhr laut Verteidigungsministerium von dem Angriff aber erst, als er bereits wieder den Stützpunkt Termez in Usbekistan erreicht hatte, wo die Flugzeuge für den Heimflug gewechelt werden.

Guttenberg äußerte sich dort "tief traurig" zu den Nachrichten. Er kehrte mit Generalinspekteur Volker Wieker nach Afghanistan in das deutsche Hauptquartier in Mazar-i-Scharif zurück, "um bei unseren Soldaten zu sein."

Der Minister hatte zuvor angekündigt, dass weitere schwere Waffen nach Nord-Afghanistan verlegt würden. Dazu gehörten weitere Marder-Schützenpanzer, Panzerabwehrraketen sowie erstmals zwei Panzerhaubitzen, die bis zu 40 Kilometer weit schießen können. Erst am Karfreitag, dem 2. April, waren drei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Dies hatte eine Diskussion über die notwendige Ausstattung der Bundeswehr ausgelöst. Noch am Donnerstag erklärte der ehemalige Chef des Planungsstabes im Verteidigungsministerium, Ulrich Weisser, im Bayernkurier: Die Politik behaupte bloß, die Bundeswehr bekomme, was sie brauche. "Aber eine Kürzung des Verteidigungshaushaltes um mehr als 500 Millionen Euro passt nicht dazu."

Der Einsatz besonders weit und darum oft ungenau schießender Waffen wurde bislang abgelehnt, zumal das neue Einsatzkonzept auch der US-Truppen nicht mehr das Töten von Taliban, sondern den Schutz von Zivilisten zur Priorität erklärt. Der Grüne Omid Nouripour sagte am Donnerstag: "Mit dem Einsatz von Flächenwaffen in eng besiedeltem Raum würde jede Defensivstrategie konterkariert."

Am Sonntagabend wird der Oberkommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan Stanley McChrystal in Berlin erwartet. Er soll am Montag mit dem Minister, Generalinspekteur Wieker und den Verteidigungspolitikern des Bundestags zusammentreffen, um über die bevorstehenden Kämpfe in Nordafghanistan zu beraten. Derzeit werden tausende US-Soldaten in den Norden verlegt. Eine Offensive gegen die Taliban ist in Planung.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben