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„Verschrick nich Maria“

■ Wo Himmelsboten seit 81 Jahren Platt schnacken

„Verschrick nich Maria, di geschieht jo keen Leed, ick bin jo ein Engel un bring di grot Freid.“ So hört sich die Verkündigung auf Platt an. In schlichten, fast naiven Bildern wird die Weihnachtsgeschichte seit 81 Jahren von Schülern des Lübecker Katharineums als Krippenspiel aufgeführt. Text und Musik sind seit 1920 unverändert geblieben. Kostüme und die wenigen Requisiten sind den Originalen nachgebildet.

Erfunden wurde das Krippenspiel nicht am Katharineum, der Schule Thomas Manns, sondern an der Oberrealschule zum Dom. Der dortige Lehrer Paul Brockhaus bearbeitete den Text des Hamburgers Edgar Schacht und führte ihn in einer Mischung verschiedener Schleswig-Holsteiner und Mecklenburger Dialekte 1920 mit seinen Schülern erstmals auf. Noch bis in die fünfziger Jahre mussten die Darstellerinnen der weiblichen Rollen von Mädchenschulen ausgeliehen werden, denn sowohl die Domschule als auch das Katharineum waren damals Jungenschulen.

Bei vielen Schülern ist der Auftritt im Krippenspiel schon Familientradition. „Schon meine Großmutter und ihre Geschwister haben mitgemacht“, erzählt Hanna Thoemmes, die in diesem Jahr zum dritten Mal die Maria spielt. Und Hannes Napp kann auf fünf ältere Geschwister als Mitwirkende verweisen. Die familiäre Vorbelastung hat allerdings auch Nachteile. „Meine Großtanten können die Texte immer noch auswendig, denen entgeht kein Patzer“, sagt Thoemmes. Eva-Maria Mester

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